Alte Pferde richtig füttern

Jeder der ein älteres Pferd hat, weiß zu schätzen, was für ein toller Reit- und Freizeitpartner so ein Pferdesenior ist. Mit zunehmendem Alter werden die Pferde immer abgeklärter und scheinen genau zu wissen was man von ihnen erwartet. Setzt man ein Kind oder einen Reitanfänger auf ihren Rücken hat man das Gefühl, das erfahrene Pferd geht besonders vorsichtig, damit seinem unerfahrenen Reiter nichts passiert. Aber auch als sehr guter Reiter hat man viel Freude mit einem älteren Pferd. Ich habe meinen 19-jährigen lettischen Wallach nun schon seit 15 Jahren und ich weiß ganz genau wann er wie reagiert. Große laute Mähdrescher schrecken ihn z.B. überhaupt nicht, dafür kann eine achtlos ins Gras geworfene Plastiktüte ihn veranlassen einen riesen Sprung zur Seite zu machen. Ich kenne und liebe diese Macken an meinem Pferd.

Um ein betagtes Pferd nun lange fit zu halten, sollte man auf eine entsprechende Fütterung für Pferde-Senioren setzen. Aber was bedeutet bei Pferden eigentlich „alt“?

Ab wann ist ein Pferd alt?

Mit ungefähr 12 Jahren erreicht ein Pferd (Warmblüter) den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Mit ca. 16 Jahren geht die Leistungskurve langsam runter, das Pferd wird alt, die ersten Zipperlein treten auf.

Ab dem 20. Lebensjahr spricht man von einem alten Pferd. Das variiert allerdings je nach Rasse, ein Isländer zum Beispiel ist mit 20 Jahren noch lange nicht alt. Jedes Pferd altert anders. Je nach Haltung, Fütterung, gesundheitlichem Zustand und vorangegangenen sportlichen Belastungen hat jedes Pferd mit anderen Alters Wehwehchen zu kämpfen.

Steht ein Pferd viel in der Box leiden die Gelenke

Steht ein Pferd viel in der Box leiden die Gelenke

Viele Faktoren beeinflussen den Alterungsprozess beim Pferd

Leider lässt sich die Uhr nicht zurück drehen. Bekommt ein altes Pferd chronische Erkrankungen, wurden meist in der Vergangenheit Fehler in der Aufzucht und der Haltung gemacht. Wird ein Pferd in jungen Jahren überlastet, so wird der Grundstein für spätere Spat und Arthrose Erkrankungen gelegt.  Aber auch bei Pferden die nicht sportlich beansprucht werden und nur in der Box stehen, kommt es zu Erkrankungen des Bewegungsapparates. Pferde sind Bewegungstiere und der Organismus ist auf 16 Stunden tägliche Schrittbewegung ausgelegt. Steht das Pferd nur in der Box, werden die Gelenke nicht richtig geschmiert und das Pferd steht sich die Beine kaputt.

Weitere Krankheiten die im Alter häufig auftreten sind Verdauungsprobleme, Allergien und Stoffwechselstörungen. Auch hier liegt die Ursache oft in vorangegangenen Fütterungsfehlern. Wird das Pferd überversorgt stellen sich Wohlstandskrankheiten ein, bei nicht ausgewogener Fütterung kommt es zu Mangelerscheinungen.

Alte Pferde richtig füttern – so bleibt der Senior fit

Mit dem Alter verändern sich die Nährstoffbedürfnisse eines Pferdes. Der Bedarf an Vitaminen, hochwertigen Vitalstoffen, Spurenelementen und essentiellen Aminosäuren steigt, wohingegen der Energiebedarf sinkt. Dieses begründet sich in einem verlangsamten Stoffwechsel, da geht es unseren Pferden wie uns Menschen. Zur Stoffwechsel Unterstützung hat sich eine regelmäßige Entgiftungskur bei älteren Pferden bewährt. Mit fortschreitendem Alter sind die Pferde auch dankbar über eine dauerhafte Unterstützung. So werden Leber und Nieren entlastet und der Körper hat freie Energien für die Verwertung der ihm angebotenen Nährstoffe.

Um die Verdauung auf Trab zu halten sind ausreichend große Mengen an qualitativ hochwertigem Raufutter unerlässlich. Große Mengen an Getreide kann ein altes Pferd hingegen nur noch schlecht verwerten, dieses beeinflusst die Verdauung eher negativ.

Mit fortschreitendem Alter haben viele Pferde Probleme mit den Zähnen, weil diese abgenutzt sind. Sie können dann ihr Heu nicht mehr richtig fressen. Früher war dieses ein Todesurteil. Heute gibt es Alternativen zum Raufutter, wie z.B. Heucobs, womit man den Pferdesenior gut ernähren kann. Solchen Pferden sollte so oft wie möglich frisches Gras angeboten werden. Das kann der Pferdekörper auch noch gut verwerten, wenn das Gebiss nicht mehr ganz einwandfrei funktioniert. Im Winter sollte dann, wie bereits erwähnt, auf Heucobs umgestiegen werden.

Damit die alten Gelenke in Gang bleiben, brauchen Pferde so viel freie Bewegung wie irgend möglich.

Damit die alten Gelenke in Gang bleiben, brauchen Pferde so viel freie Bewegung wie irgend möglich.

Schmerzen die Arthrose geplagten Gelenke, gibt es die verschiedensten Ergänzungsfuttermittel. Entzündungshemmend und schmerzlindernd sind Ingwer und Teufelskralle. Außerdem hilft viel Bewegung, damit die Gelenke in Gang und gut geschmiert bleiben.

Auch für den Mineralhaushalt des alten Pferdes gibt es dem entsprechend darauf abgestimmte Futtermittel. Das Futter sollte jedoch nicht synthetisch hergestellt sein bzw. mit synthetischen Zusätzen versehen sein. Am besten deckt das Pferd seinen Mineralien- und Spurenelemente-Haushalt aus Kräutern. Das gilt für alle Pferde, egal welchen Alters, nur die jüngeren Pferde kommen mit den synthetischen Zusätzen oft noch besser klar, bei den älteren Pferden werden dadurch Leber und Nieren belastet oder auch überlastet.

So füttere ich mein altes Pferd

Auch mein Wallach erreicht nun bald die 20 Jahre ist somit alt. Erste Zipperlein haben sich schon eingestellt. So hat er einen leichten allergischen Husten entwickelt, den ich immer mal wieder mit Kräutern versuche zu bekämpfen. Außerdem habe ich die Haltung umgestellt, er steht jetzt nur noch draußen, Sommer wie Winter, Tag und Nacht. Das tut den Lungen und auch den alten Gelenken gut, denn die Pferde bleiben im Offenstall doch mehr in Bewegung als in der Box. Auf den Beinen ist er noch ganz fit, nur auf einem Hinterbein ist er manchmal aus unerklärlichen Gründen lahm. Die Lahmheit ist manchmal von einem Tag auf den anderen wieder verschwunden und als ich es der Tierärztin zeigen wollte lief er auch wieder einwandfrei. Die Tierärztin riet mir Teufelskralle und Ingwer zu füttern, was ich nun immer mal wieder kurweise mache, wenn die Lahmheit auftritt.

Im Hinblick auf seine Allergie versuche ich das Immunsystem wieder ins Lot zu bringen und entgifte ihn regelmäßig. Außerdem versuche ich seinen Mineral- und Spurenelementehaushalt zu bedienen, indem ich je nach Jahreszeit verschiedene Mineralfutter gebe. Ich achte dabei darauf, dass diese aus organischen Substanzen hergestellt sind oder greife auf Kräuter zurück.

Ansonsten bekommt mein Alter nur Heu, Stroh und Gras und er sieht gut aus dabei, vielleicht schon zu gut, ein paar Kilo weniger könnte er nämlich haben.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

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Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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