Eine Fliegenmaske kann Pferdeaugen verletzen

Im Sommer möchte wir gerne die Augen unserer Pferde vor den vielen Fliegen schützen. Zum einen ist es unangenehm, wenn ewig diese Fliegen um die Augen herumschwirren, zum anderen kommen Keime in die Augen und die Pferdeaugen fangen dann oft an zu tränen. Häufig sieht man deshalb Pferde mit Fliegenmasken auf der Weide. Bereits im letzten Sommer wies unsere Tierärztin darauf hin, dass man bei der Wahl so einer Fliegenmaske darauf achten soll, dass diese genügend Abstand zu den Augen hat, da es sonst zu Hornhautverletzungen kommen kann. Ich habe zwar selber noch nicht oft so eine Fliegenmaske meinem Pferd angezogen, aber bisher hatte ich da noch nie Probleme und mir auch keine Gedanken darüber gemacht.

Die elastische Fliegenmaske rutschte im laufe der Zeit immer weiter nach unten

Die elastische Fliegenmaske rutschte im laufe der Zeit immer weiter nach unten

Die Fliegenmaske sollte die Augen des Pferdes schützen

Dieses Jahr mussten wir die leidvolle Erfahrung machen, dass so etwas doch sehr schnell passieren kann. Die Tochter meines Lebensgefährten war im Urlaub und ein Mädchen, die ab und zu zum reiten zu uns kommt, hat ihren kleinen Vollblüter bewegt. Nach dem reiten stellte sie ihn wieder auf die Wiese. Sie hatte es gut gemeint und hatte ihm eine Fliegenmaske aufgezogen. Am nächsten Morgen wunderte ich mich, dass der Wallach etwas abseits auf der Wiese stand, aber er ist schon recht alt und sondert sich öfters ab. Komisch war auch, dass 2 Holzpfähle vom Zaun umgeknickt waren. Doch auch dafür gab es eine Erklärung, die Pfähle sind alt und morsch und manchmal knickt mal einer um.

Die Tränenspur zeigt, dass die Maske verrutscht war, die Augen wurden abgedrückt

Die Tränenspur zeigt, dass die Maske verrutscht war, die Augen wurden abgedrückt

Als ich am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, stand der kleine Vollblüter immer noch an der Stelle auf der Wiese, an der er morgens stand. Alle anderen Pferde hatten den Schatten aufgesucht, nur er stand in der Sonne. Ich ging zu ihm hin und schnell wurde mir klar, dass die Fliegenmaske so verrutscht war, dass beide Augen abgedrückt wurden und das Pferd blind auf der Wiese stand. Dieses erklärte auch die umgeknickten Pfähle, wahrscheinlich war der arme Kerl in der Nacht in den Zaun gelaufen. Die Naht, an der das Augennetz mit dem elastischen Stoff zusammentrifft, welche eigentlich über den Augen sitzen sollte, war nach unten gerutscht und drückte auf die Augäpfel. Ich hatte Schwierigkeiten an das Pferd heran zu kommen, da er völlig orientierungslos war. Er dreht sich immer von mir weg, wagte aber zum Glück nicht zu flüchten, da er nichts sah. Mit ein wenig Geduld klappte es dann doch und ich nahm ihm die Maske ab. Völlig erleichtert lief er schnell zu den anderen Pferden.

Die Augen waren dick und rot

Nun musste ich schauen, welchen Schaden die Augen genommen hatten. An der Fliegenmaske war zu sehen, das die Auge wohl stark getränt hatten. Ich folgte ihm und sah mir die Augen genauer an, sie waren leicht geschwollen und rot und das Pferd schüttelte ständig den Kopf. Ich holte ihn in die Box, damit er nicht auch noch von den Fliegen geärgert wurde. Im laufe der nächsten halben Stunde schwollen die Augen immer weiter an, er konnte sie nicht mehr aufmachen und fing schließlich an sich hinzulegen und versuchte mit dem Auge auf dem Boden zu scheuern. Es half nichts, auch wenn Freitagnachmittag war, ich musste den Tierarzt anrufen. Auf dem Anrufbeantworter unserer Tierärztin war eine Ansage, dass sie im Urlaub wäre, benannte jedoch einen Vertretungsarzt. Dreimal musste ich die Mailbox unserer Tierärztin abhören bis ich endlich die Telefonnummer des anderen Tierarztes richtig verstanden hatte.

Die Augen waren so geschwollen, dass das Pferd sie nicht mehr auf bekam.

Die Augen waren so geschwollen, dass das Pferd sie nicht mehr auf bekam.

Das Pferd hatte große Schmerzen

Zum Glück konnte der Tierarzt am gleichen Abend noch vorbeischauen und dem Pferd helfen. Auch er äußerte sich über Fliegenmasken dahingehend, dass diese manchmal mehr Schaden anrichten als sie nützen. Wir hatten nun Glück, dass der Vollblüter nicht versucht hatte, sich die Augen mit der Maske zu scheuern, denn dann hätte er sich die Hornhaut verletzt. Beide Augen waren stark entzündet und das Pferd hatte starke Schmerzen, wogegen er Spritzen bekam. Außerdem gab es eine Augensalbe, die ich mehrmals täglich in die Augen machte. Nach 2 Tagen waren Schwellung und Entzündung zum Glück abgeklungen. Nur die Bindehaut war immer noch gerötet, aber das Pferd war wieder gut drauf.

Statt Fliegenmaske änderte ich das Weidemanagement. Die Pferde kommen jetzt nur noch nachts auf die Wiese und tagsüber bleiben sie im Stall. Wenn es mit den Fliegen und den Bremsen dann wieder weniger wird, können sie wieder 24 Stunden auf der Wiese bleiben.

Fazit

Bei der Wahl einer Fliegenmaske sollte sorgfältig vorgegangen werden, ich empfehle unbedingt vorher die Rezensionen im Internet zu lesen. Bei dem Modell welches unser Vollblüter trug, gab es bereits einschlägige negative Meinungen dazu zu finden. Dem Pferd hätte also viel Leid erspart bleiben können. Eine Alternative zur Fliegenmaske ist ein Fransenstirnband, welches am Halfter befestigt wird. Um Verletzungsgefahren durch hängenblieben zu minimieren, sollte ein spezielles Weidehalfter oder Sicherheitshalfter ausgewählt werden, welches im Notfall nachgibt oder aufgeht. Eine regelmäßige Kontrolle, ob der Fliegenschutz noch da sitzt wo er hingehört, ist unerlässlich, am besten 2x täglich. Die beste Prävention ist immer noch ein Weideschuppen in dem die Pferde Schutz vor Sonne und Insekten finden, doch auch da muss man beobachten ob auch wirklich alle Pferde rein dürfen. Der Vollblüter ist schon recht alt und kann sich nicht mehr gegen die anderen Pferde durchsetzen, weshalb er oft nicht mit in den Schuppen darf. So ein Pferd ist tagsüber besser in einer Box aufgehoben, nachts kann es dann auf die Wiese.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

 

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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1 Kommentar(e)

  1. Aimee

    Wir haben unsere Fellponystute die jetzt 10 Jahre alt ist (seit 3 J. haben wir sie) auf Gebisslos umgestellt. Sie hatte sich immer gerne auf das Gebiss gelegt und ging daher nicht wirklich locker. Da die Reitlehrerin meiner Tochter prinzipiell für gebissloses reiten ist, konnten wir verschiedene Reithalfer testen und sind beim Lehmenkühler Glücksrad gelandet. Unser Pony läuft jetzt viel lockerer und entspannter. Es klappt sogar meines erachtens noch besser !!! Wenn man sich mal Gedanken macht, was so ein Gebiss im Pferdemaul eigentlich anrichtet….

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