Hufgeschwür / Hufabszess beim Pferd

Bis vor ein paar Jahren war der Begriff Hufgeschwür oder Hufabszess für mich ein Fremdwort. Mein Pferd läuft schon immer Barhuf und hat eine sehr gute Hufqualität. Die Hufe wachsen schneller als sie abgenutzt werden und er hat keine Schwierigkeiten auf steinigen Wegen zu laufen. Natürlich geht er dann schon vorsichtig, wenn es zu steinig oder schotterig wird, aber das ist ja okay. Die Pferde sollen ja auch fühlen wo sie hin treten. So achten sie auf den Weg und die Bodenbeschaffenheiten und passen auf wo sie hin treten.

Mit dem Stallwechsel kamen die Hufgeschwüre

Da ich noch den Ehrgeiz hatte Turniere zu reiten, wechselte ich vor einigen Jahren den Stall. In dem neuen Stall hatte ich bessere Trainingsbedingung und stets einen Reitlehrer vor Ort, bei dem ich regelmäßig Dressurunterricht nehmen konnte. Die Pferde waren tagsüber immer draußen, im Sommer auf der Weide und im Winter auf dem Paddock und nachts waren sie in der Box. Eigentlich war alles gut, mein Pferd hatte auch eine Box mit Fenster nach draußen, welches nur bei starkem Frost geschlossen wurde. Was mich aber von Anfang an störte, war, dass die Boxen nicht täglich gemistet wurden. Es wurde jeden Tag neu drüber gestreut und nur alles 2 – 3 Monate wurde der ganze Mist raus geholt. Es schien meinem Pferd jedoch nichts auszumachen, die Hufe waren trocken wenn ich ihn aus der Box holte und er hatte keine Probleme mit Strahlfäule.

Das erste Hufgeschwür – Behandlung

Ich glaube wir waren gerade ein ¾ Jahr im neuen Stall, da lahmte mein Pferd plötzlich sehr stark, er hüpfte regelrecht auf 3 Beinen. Jeder Pferdebesitzer kennt diese Angst, man denkt ja immer gleich an das Schlimmste. Der herbei gerufene Tierarzt konnte mir meine Angst zum Glück schnell nehmen. Er drückte den Huf mit der Untersuchungszange ab und mein Pferd zeigte an einer Stelle am Huf eine deutliche Schmerzreaktion. An der schmerzhaften Stelle hat der Tierarzt mit dem Hufmesser den Huf etwas sauber geschnitten und hat schließlich den kleinen Kanal entdeckt, der durch die Entzündung im Huf entsteht. Entlang des Kanals hat er vorsichtig weiter geschnitten, bis der Entzündungsherd eröffnet war und der Eiter abfließen konnte. Es war also tatsächlich „nur“ ein Hufgeschwür bzw. die Tierärzte nennen es Hufabszess, eine eitrige Entzündung der Huflederhaut.

Mein Pferd bekam Antibiotika gespritzt und an dem Huf wurde ein Angussverband angelegt, welcher 2 – 3 Tage am Huf blieb und morgens und abends mit einer desinfizierenden Lösung getränkt wurde. Das Hufhorn wurde durch den Angussverband weich und eventuelle Entzündungsreste kamen so gut auf dem Huf heraus. Mein Pferd durfte sogar mit dem Verband auf die Wiese. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass durch die Bewegung und der damit verbundenen stärkeren Durchblutung, die Heilung schneller verlief. Nach 10 Tagen war meistens alles vergessen – bis zum nächsten Hufabszess.

Der Anfang einer Serie von Hufgeschwüren

Dieses erste Hufgeschwür blieb nämlich leider nicht das Letzte. Im Laufe von 3 Jahren waren es 7 Stück. Ich mutierte zum Hufgeschwür-Experten und hatte bei jeder Unregelmäßigkeit im Gangbild sofort wieder Angst, dass sich dort mal wieder etwas anbahnt. Mein Pferd wurde bei jeder Behandlung unleidlicher. Zuletzt kam der Tierarzt kaum mehr an die Füße ran und die Behandlung wurde zu einer echten Geduldsprobe. Auch meinen Geldbeutel hatte dieses arg strapaziert, ca. 150,- € konnte man pro Hufgeschwür rechnen, mal war es etwas mehr, mal etwas weniger, je nachdem ob noch eine Antibiotikagabe notwendig war oder nicht.

Zur Behandlung des Hufgeschwüres muss das Hufeisen in der Regel abgenommen werden.

Zur Behandlung des Hufgeschwüres muss das Hufeisen in der Regel abgenommen werden.

Ursachen für Hufgeschwüre beim Pferd

Es war wirklich zum verrückt werden! Wieso war das plötzlich so? In den ersten 7 Jahren hatte mein Pferd nie Probleme mit den Hufen. Alle predigten auf mich ein, mein Pferd bräuchte wohl Hufeisen, wenn er so oft Hufgeschwüre hatte. Es wäre hier wohl zu steinig für ihn. Aber dort wo mein Pferd früher stand, war es viel steiniger und er hatte dort nie Probleme gehabt. Ich fand das totalen Quatsch und bin der Meinung es hätte nichts geändert. Nur hätte ich dann jedes Mal noch den Hufschmied bezahlen um das Hufeisen wieder aufzunageln, welches der Tierarzt zur Behandlung hätte abnehmen müssen.

Bakterien als Ursache für Hufgeschwüre

Wo die Ursachen für so ein Hufgeschwür liegen, wird recht unterschiedlich beschrieben. Zum einen heißt es, dass Bakterien durch kleine Risse im Horn in den Huf hinein wandern. Der Körper des Pferdes versucht die Bakterien durch eine Entzündungsreaktion zu bekämpfen. Durch den dadurch entstehenden Eiter, entsteht ein Druck im Huf und das Pferd beginnt zu lahmen. Die Risse entstehen, wenn sich die Pferde z.B. Steine eintreten. Hat ein Pferd häufiger Hufgeschwüre, kann man davon ausgehen, dass es schlechte Hornqualität hat. Da braucht es sich gar keinen Stein eintreten, die Hornqualität ist einfach so schlecht, dass das Horn von Haus aus rissig ist und sich Bakterien gut einnisten können. Die Ursache für die schlechte Hornqualität kann wiederum an der Fütterung, der Pflege und auch der Haltung liegen.

Falsche Druckverhältnisse im Huf als Ursache für Hufgeschwüre

Eine andere These ist, dass durch falsche Druckverhältnisse im Pferdehuf, Teile der Lederhaut abgequetscht werden. Falsche Druckverhältnisse entstehen z.B. bei beschlagenen Pferden, bei Hufdeformationen und Fehlstellungen oder durch Eckstreben die über die Sohle wachsen und drücken, weil sie sich umgelegt haben. Innen liegendes Gewebe wird dann nicht mehr richtig versorgt und die Zellen sterben ab. Der Körper versucht nun diese toten Zellen abzustoßen. Bei kleineren Bereichen gelingt dieses durch Resorption. Bei größeren Bereichen gelingt der Abtransport über die winzig kleinen Blutgefäße in der Huflederhaut nicht mehr, darum versucht der Körper sich über eine Entzündungsreaktion zu helfen. Es kommt dann zur Eiterbildung und somit zu Druck und Schmerzen im Huf. Wird ein Pferd auf Barhuf umgestellt, kommt es häufig zu diesem Phänomen. Durch den Beschlag abgequetschte Bereiche werden plötzlich wieder durchblutet und der Körper versucht die toten Gewebeteile abzutransportieren. Dieses ist ein sinnvoller und wichtiger Entgiftungprozess um die toten Gewebeteil los zu werden. Vor vielen Jahren hatte ich das Problem auch schon einmal bei meinem damaligen Pferd. Verletzungsbedingt sollte er für ein Jahr auf Weide und bekam nach der Abnahme der vorderen Hufeisen auch prompt ein Hufgeschwür, obwohl er nur auf der weichen Wiese lief.

Ursacheneingrenzung bei meinem Pferd

Ich finde das hört sich alles sehr plausibel an. Da mein jetziges Pferd jedoch noch nie Hufeisen hatte, die Hufe eine weite und regelmäßige Form haben und auch der Hufschmied diese regelmäßig ausschneidet, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Hufgeschwüre durch falsche Druckverhältnisse kommen. Aber irgendetwas musste geschehen, schließlich ist ein Hufgeschwür für das Pferd auch äußerst schmerzhaft. Je weiter die Entzündung im Huf voranschreitet umso höher wird der Druck in der wenig flexiblen Hornkapsel.

Manche Pferde setzten nur noch die Hufspitze auf und vermeiden jegliche Belastung des kranken Hufes. Die Schmerzen sind mitunter so stark, dass die Pferde auch keinen Appetit mehr haben. Weitere Symptome können Schwellungen oberhalb des Hufes oder des Röhrbeins sein, eine verstärkte Pulsation der Mittelfußarterie sowie eine erhöhte Wärmeentwicklung am Huf. In seltenen Fällen kann sich die Entzündung so weit ausbreiten, dass es sogar zum Ausschuhen, den kompletten Verlust der Hornkapsel, kommt.

Ich kam zu dem Schluss, dass wohl doch die Matratzenstreu dafür verantwortlich war, dass mein Pferd nun ständig Hufgeschwüre hatte. Die Hornqualität ist durch das ewige stehen in der Jauche so schlecht geworden, dass Bakterien in das poröse Horn eindringen konnten und so Entzündungen und Hufgeschwüre entstanden. In dem Stall wo er vorher stand wurde täglich gemistet und da hatte er nie Probleme. Wie gesagt kann auch die Fütterung eine Rolle bei der Hornqualität spielen. Da mein Pferd jedoch mit allen Vitaminen und Mineralien gut versorgt war und auch sein Fell dieses widerspiegelte, schloss ich diesen Faktor aus.

Als ich wieder täglich mistete blieben die Hufgeschwüre aus

Nach dem siebten Hufgeschwür hatte ich dann genug und habe meine Box jeden Tag, den ich im Stall war, gemistet. Meine Stallbesitzerin hatte da nicht viel Verständnis für und konnte sich nicht vorstellen, dass es einen Zusammenhang zwischen Matratzenstreu und Hufgeschwür gibt, obwohl es in dem Stall schon regelmäßig vorkam, dass das ein oder andere Pferd Probleme mit Hufabszessen hatte. Das ganze ist jetzt fast 3 Jahre her und ich klopfe jetzt 3x auf Holz, aber seit dem hatte mein Dicker kein Hufgeschwür mehr.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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2 Kommentar(e)

  1. Julia Munsterer

    Erstmal muss ich sagen, danke Stefanie für den Bericht. Mein Pferd hat gerade seinen 2. Hufabszess hinter sich (der erste war beim Vorbesitzer) und es ist eine Qual. Eine Heilung in 10 Tagen ist bei meiner Dicken ein reiner Wunschgedanke :(. Leider ist die Ursache bei uns noch nicht gefunden… An Gabi Möller: Meiner Noriker Stute wurde mit lokaler Betäubung (mit einer Creme wie beim Zahnarzt) erst der Huf geöffnet und dann später, da der Eiter Teile des Knochen angefressen hat, die ganze Soße rausgeholt. Das war Anfang November, diesen Monat ist der erste in dem Sie ohne Hufverband rumlaufen kann (Offenstall), da die Wunde zugeheilt ist.
    Grüße Julia

  2. Gabi Möller

    Mein New  Forest Pony hat ein sehr schweres Hufgeschwür und soll operiert werden. Wer hat Erfahrung mit so einer yOP? 

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