Hustenerkrankung beim Pferd – COB, RAO, IAD COPD, SAID

Heute möchte ich etwas näher auf einige Hustenerkrankungen beim Pferd, vor allem auf den immer häufiger werdenden dadurch bedingten chronischen Husten eingehen.

Zum besseren Verständnis der Hustenerkrankung soll zunächst der Aufbau der Atemwege kurz erklärt werden:

Die sauerstoffreiche Atemluft strömt durch Nüstern, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich im Brustraum in die zwei Hauptbronchien auf. Im weiteren Verlauf verzweigen sich die Hauptbronchien wie die Äste eines Baumes immer weiter. Zunächst spalten sich die Hauptbronchien in die kleinen Bronchien auf und diese dann in die noch kleineren Bronchiolen. Die Bronchiolen münden in den Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet: Das sauerstoffarme Blut gibt Kohlendioxid (CO2) in die Atemluft ab und nimmt wieder Sauerstoff auf.

Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen verfügen über verschiedene Mechanismen, mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper wieder zu beseitigen. Man nennt dies auch die Selbstreinigung oder Clearance der Atemwege:

In der Pferdelunge findet der lebensnotwendige Sauerstoffaustausch statt.

In der Pferdelunge findet der lebensnotwendige Sauerstoffaustausch statt.

 

Hustenerkrankung beim Pferd – Was bedeuten COB, RAO, IAD, COBD, SAID

COB

(chronisch-obstruktive Bronchitis – länger bestehende Verengung der größeren Bronchien

Eine chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) beschreibt eine länger bestehende Verengung der größeren Bronchien und/oder der kleineren Bronchiolen. Man hat diesen Begriff gewählt, um Erkrankungen zusammenzufassen, die zwar verschiedene Ursachen haben können, aber zu den gleichen Symptomen führen..

Unter dem Begriff COB werden alle Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, auf die alle folgenden Kriterien zutreffen:

  • Husten und/oder
  • vermehrte Schleimproduktion der Atemwege
  • Leistungsabfall
  • KEINE Infektion mit Krankheitserregern wie Viren, Bakterien oder Pilzen
  • Bestehen der Symptome für mehr als 6 Wochen

RAO

(Recurrent Airway Obstruction – Wiederkehrende Atemwegsobstruktion)

RAO deckt sich weitgehend mit Dämpfigkeit und betrifft erwachsene Pferde mit Atemwegsobstruktion. Durch Haltungsumstellung oder Einsatz von Bronchodilatoren (Erweiterung von verengten Bronchien) können diese beseitigt oder erheblich gelindert werden.

Die RAO hat eine allergische Grundlage. Die Allergie ist aber nur eine Komponente der RAO. Die Allergene sind meist Schimmelpilzsporen aus Heu und Stroh. Da es sich um einen allergischen Mechanismus handelt, reicht bei einem Pferd mit RAO auch schon eine geringe Menge des Schimmelallergens aus. Es findet sich auch in gutem Heu und Stroh.

 

Wird die RAO beim Pferd nicht behandelt, kann sie in Dämpfigkeit übergehen.

Wird die RAO beim Pferd nicht behandelt, kann sie in Dämpfigkeit übergehen.

Die zweite Komponente ist unspezifisch. Im Zustand der Reizung ist die Lunge nicht nur auf das spezifische Allergen (Schimmelpilz), sondern auch auf alle anderen Reize, die auf die Lunge wirken überempfindlich (Reizgase, jeglicher Staub, Endotoxin, sehr kalte Luft,…). Das Endstadium der RAO mündet in das irreversible Lungenemphysem (Dämpfigkeit).

IAD

(Inflammatory Airway Disease – Entzündliche Atemwegserkrankung)

IAD umfasst alle hustenden Pferde, deren Krankheit nicht auf RAO oder einer Infektion beruht und bei denen die unteren Atemwege betroffen sind. Dies sind die meisten der im Stall hustenden Pferde.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich hierbei um einen ähnlichen Krankheitsprozeß wie bei der RAO, nur dass die Allergie fehlt. Es gibt also nur die unspezifische Reizung. Das Ausmaß der Erkrankung ist nicht so schwer, es handelt sich meist um jüngere Pferde, was aber daran liegt, dass im Verlauf der nicht ausheilenden Erkrankung eine Allergiesierung stattfindet und somit das Geschehen mit der RAO endet.

Wir sind also wieder da angelangt, wo wir schon einmal waren: Einerseits die Dämpfigkeit (RAO) und andererseits der Rest des nicht infektiösen Husten (IAD).

COPD

(Chronic Obstructive Pulmonary Disease – chronisch obstruktive Lungenerkrankung)

Der bisher gebrauchte Begriff COPD beschreibt eine spezifische, meist mit Rauchen assoziierte Krankheit des Menschen und deckt das Krankheitsspektrum des Pferdes nicht ab. Der Begriff COPD sollte daher für die chronischen Lungenerkrankungen des Pferdes nicht mehr verwendet werden.

SAID

(Small Airway Inflammatory Disease – Entzündliche Erkrankung der kleinen Atemwege)

SAID beschreibt die der IAD verwandte Erkrankung des Menschen und wird für das Pferd nicht mehr verwandt, da die beiden Krankheitsbilder sich nach neuen Erkenntnissen nicht decken.

veraltete Bezeichnungen von Hustenerkrankungen beim Pferd

COB und COPD wurden von neueren umfangreicheren Bezeichnungen tiermedizinisch ersetzt :

Die Atemwege eines Pferdes sind sehr sensibel.

Die Atemwege eines Pferdes sind sehr sensibel.

Die chronische Bronchitis wurde bislang auch COB oder COBD genannt. Chronisch obstruktive Bronchitis bzw. Chronic Obstructive Pulmonary Disease = Chronisch obstruktive Lungenkrankheit und darf nicht mit Dämpfigkeit verwechselt werden.

Heute spricht die Tiermedizin bei einer wiederkehrenden Atemwegserkrankung von RAO – Reccurent Airway Obstruction, bei einer entzündlichen Atemwegserkrankung von IAD – Inflammatory Airway Disease.

Ein dämpfiges Pferd kann in der Regel nicht geheilt werden, während ein Pferd mit einer chronisch entzündlichen oder wiederkehrenden Bronchitis durchaus erfolgreich behandelt werden kann, auch wenn dies lebenslang einen höheren Aufwand für den versorgenden Pferdehalter bedeutet.

Diagnosefindung bei Pferden mit chronischen Husten

Husten-Patienten zeigen Symptome unterschiedlichen Schweregrades: Husten in Ruhe und/oder während der Belastung, beidseitiger, grauer, z.T. zäher Nasenausfluss, verminderte Leistungsbereitschaft, sowie z.B. eine angestrengte Atmung mit Beteiligung der Bauchmuskulatur, bis hin zu starker Atemnot mit Blähen der Nüstern.

Die klinische Untersuchung durch den Tierarzt (Abhören von Luftröhre und Lunge) lassen eine Verdachtsdiagnose zu. Mit Hilfe einer Bronchioskopie (endoskopische Untersuchung der Atemwege) inklusive Sekretprobenentnahme kann die Verdachtsdiagnose bestätigt werden.

Chronische Hustenerkrankung beim Pferd – schlimm oder nicht?

Im Stall hört man des öfteren Pferde bei der Heufütterung husten. Fragt man nach, wird oft der Satz: „Das Pferd hat chronischen Husten, ist aber nicht so schlimm,“ ausgesprochen.

Ist es wirklich nicht so schlimm? Was ist eigentlich chronischer Husten?

Inzwischen geht man davon aus, dass 50 Prozent aller Pferde über 12 Jahre regelmäßig Probleme mit ihren Atemwegsorganen haben. Diese reichen von akuter Bronchitis über Stauballergien bis hin zu chronischer Lungeninsuffizienz.

25 Prozent aller Pferde bekommen einmal im Jahr eine Bronchitis. Dies sind alarmierende Zahlen! Sehr häufig gibt es einen Zusammenhang zwischen Leber und Lunge, da diese Organe eine große Bedeutung als Ausscheidungsorgane haben.

Eine belastete Leber wird immer öfter als Auslöser von Lungenerkrankungen bei Pferden gesehen.

Leider trägt vor allem die Umweltverschmutzung stark dazu bei, unsere Pferde krank zu machen.

Die Antwort „ist nicht so schlimm“, ist also absolut nicht richtig und es besteht absoluter Handlungsbedarf!

Maßnahmen bei chronischen Hustenerkrankung beim Pferd

An erster Stelle sollte natürlich die Hauptursache für den Husten beseitigt werden. Nur so besteht die Chance eine längerfristige Verbesserung zu erwirken und unsere Atemnot geplagten Vierbeiner zu unterstützen.

Hustende Pferde brauchen viel frische Luft und eine staubfreie Einstreu

Hustende Pferde brauchen viel frische Luft und eine staubfreie Einstreu

Die meisten Husten-Patienten reagieren allergisch auf Pilzsporen, welche im Heu und Stroh (selbst bei bester Qualität) enthalten sind. Die Haltung mit viel Frischluft ist zwingend notwendig, ideal sind Offenstallhaltung oder Paddockbox, mindestens sollte eine Fensterbox zur Verfügung stehen.

Einstreu: Tauschen Sie eventuell das Stroh gegen Rindenmulch, Hanfhäcksel oder Rapshäcksel, um auch hier Staub zu vermeiden. Ganz wichtig: Während der Zeit des Einsteuens sollten die Pferde draußen sein, denn die Aufwirbelung ist extrem schädlich und braucht einige Zeit, um sich wieder zu setzen.

Heu sollte nass verfüttert werden, wobei das Einweichen über mindestens 30 Minuten erforderlich ist, das befeuchten oder übergießen mit der Gießkanne reicht in der Regel nicht aus.

Auch die Nachbarboxen sollten nicht mit Stroh eingestreut werden, außerdem sollte neben einem chronischen Husten-Patienten kein Heu aufgeschüttelt werden oder Heu und Stroh gelagert werden.

Die Ammoniakbelastung in der Umgebung des Patienten muss niedrig gehalten werden.

Chronische Husten-Patienten sollten möglichst jeden Tag leicht bis mäßig bewegt werden, um eine gute Belüftung aller Lungenareale und eine ausreichende Schleimlösung zu erzielen. Keinesfalls darf das Pferd überlastet werden und eine „pumpende“ Atmung muss verhindert werden!

Der Boden von Reithalle oder Viereck sollte nicht staubig sein.

Behandlung bei Hustenerkrankungen

Liegt ein Erkrankungsschub vor, sollte das Pferd von einem Tierarzt behandelt werden, um irreparable Lungenschäden zu verhindern. Durch diese Medikamente können die klinischen Symptome des chronischen Hustens behandelt werden, so dass sich die schlechte Sauerstoffversorgung der Organe verbessert.

Die medikamentöse Therapie besteht in der Gabe von bronchienerweiternden Medikamenten, Medikamenten zur Schleimverflüssigung, sowie zur Reduktion des Bronchienkrampfes und der Entzündung.

Auch eine Inhalation unterschiedlicher Substanzen mittels Ultraschallvernebelung kann durchgeführt werden. Ist die RAO schon weiter fortgeschritten, kann eine Hyperinfusionstherapie („Lungenspülung“) notwendig werden. Dabei werden dem Patienten große Mengen Flüssigkeit per Infusion zugeführt. Diese dienen der Verflüssigung des Schleims in der Lunge, im Anschluss an die Infusion wird das Pferd longiert, so dass der Schleim abgehustet werden kann.

Fütterung

Auch hier ist absolutes Muss dafür zu sorgen, dass das Pferdefutter so staubfrei wie möglich ist, damit kein Feinstaub in die Lungen geraten kann und sich keine Schimmelpilze bilden. Bei der Fütterung mit nassem Heu, ist zu beachten, dass dieses niemals zu lange liegen sollte, da sich auch hier toxische und belastende Keime bilden.

Da die Funktionen von Lunge und Leber eng zusammenhängen, ist es bei Pferden mit Atemwegserkrankungen wichtig, bei der Futterzusammenstellung auf Entlastung der Leber und Unterstützung der Atemfunktion zu achten. Am besten entlasten Sie die Leber durch geeignete Entgiftungsmaßnahmen und wirksame Bitterkräuter (z. B. Mariendistelsamen, Artischocke, Klettenwurzel, Löwenzahn). Die Lungenfunktion stärken und regenerieren Sie am besten durch schleimlösende, entkrampfende, reizlösende, hustenlindernde, bronchialerweiternde und abwehrstärkende Kräuter (Isländisch Moos, Alantwurzel, Anis, Brombeerblätter, Malve, Spitzwegerich, Thymian, Ysop, Salbei).

Bewegung

Ganz wichtig ist es bei Pferden mit Atemwegsproblemen auf die frische Luft zu achten, umso mehr sie draußen sind umso besser ist es.

Bei Pferden die viel in der Box stehen, sich kaum bewegen, versagt die natürliche Reinigungsfunktion der Lungen und es steigt die Gefahr einer Atemwegserkrankung durch Bewegungsmangel.

Ein wichtiger Grundsatz sollte also sein, täglich viele Stunden an der frischen Luft, noch besser natürlich Offenstall oder Paddockbox und zusätzlich leichte Arbeit, hier ist natürlich darauf zu achten, dass es nicht zu einer Überlastung kommt.

Bewegung hilft, dass der Schleim sich in den Bronchien nicht verfestigen kann!

Inhalation zur Unterstützung

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit unsere Pferde zu unterstützen, nämlich mit der Inhalation

Die Inhalation soll lindernde Dämpfe in Atemwege und Bronchien bringen. „Inhalieren mit Kochsalzlösung ist immer sinnvoll, wenn Schleim zu lösen ist.

Das Pferd bekommt dabei eine Atemmaske über die Nüstern. Der Inhalator zerstäubt gelöste Stoffe oder Medikamente.

Es entstehen Nebel-Tröpfchen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist die Partikelgröße dieser Tröpfchen: Sind sie zu groß oder zu klein, landen sie im Magen oder in den Nüstern statt in den Atemwegen. Sie haben keinen Inhalator? Einige Firmen und Tierkliniken verleihen Geräte.

Entgiftung zur Unterstützung

Regelmäßige Entgiftung ist Vorbeugung und Therapie zugleich bei hustenden Pferden. Wie bereits beschrieben, arbeiten Lungen und Leber eng zusammen und sorgen für die Versorgung mit Energie. Durch Entgiftung befreien Sie den Körper Ihres Pferdes von toxischen Substanzen, von Allergenen und Mykotoxinen, und entlasten dadurch die Ausscheidungsorgane Ihres Pferdes. Dies kommt auch den Atemwegsorganen zu Gute.

 

Alles in allem ist der Umgang mit dem Pferd bei chronischem Husten zwar zeitintensiv und sicher auch etwas kostpieliger, aber keinesfalls hoffnungslos.

Ihre Nadin Uhlig

 

Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Die gelernte Tierarzthelferin, bei Geburt mit dem Pferdevirus infiziert, lebt und arbeitet für die Pferde.

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