Jungpferdebeschäftigung – was machen wir mit unseren Pferden in der Schlechtwetterzeit?

Mein Jungpferd Surprise ist nun 13 Monate alt. Er wächst mit seinen Eltern auf. Einen gleichaltrigen Pferdekumpel hat er nicht, da sein Vater keine anderen Pferde, außer seiner bestehenden Herde, akzeptiert. Surprise (Pesi) spielt lange und ausdauernd mit seinem Vater und dieser ist auch immer gern bereit dazu.

Daher stellt sich auch die Frage nach einen 2. Jungpferd nicht. Meine Pferde leben in Offenstallhaltung und sind immer draußen, also mangelt es auch nicht an Bewegung.

Im Umgang ist Surprise wirklich super. Auseinandersetzungen in Form von Beißen oder Treten gab es bei uns nicht, da nicht nur ich auf seine Erziehung sehr viel Wert lege, sondern auch seine Eltern sehr bestimmt sein können.

Pesi das Klickern sitz wir fangen mit dem Target (Berührungsstab) an

Pesi: Das Klickern sitzt – wir fangen mit dem Target (Berührungsstab) an

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass er für sein Alter schon recht weit ist und auch mehr lernen möchte.

Es entstand die Idee, mit ihm das Klickertraining zu beginnen. Er ist nicht das erste Pferd, mit dem ich klickere, von daher ist für mich die Umsetzung einfach.

Schritt 1: Welches Verhalten soll mein Jungpferd erlernen?

Als erstes muss klar sein, dass ich unerwünschtes Verhalten eliminieren will. Das heißt, ich ignoriere dieses komplett und bestärke nur die positiven Verhaltensweisen. Das wird uns später, wenn er alt genug ist, sehr viel Unterstützung in der weiteren Ausbildung bringen.

Wichtig ist: Nur positive Dinge, die ICH fordere, werden belohnt – alles andere ignoriere ich. Jedes Pferd hat seinen eigenen Geschmack, was Leckerchen betrifft. Also gilt es heraus zu finden, was mein Pferd am liebsten mag. Außer zu den Trainingseinheiten gibt es nichts aus der Hand, denn ein bettelndes, taschenzerstörendes, aufdringliches Wesen möchten wir uns ja nicht ranziehen.

Je klarer ich in meiner Aufgabenstellung bin, um so einfacher kann mein Pferd lernen.

Ein Pferd, das die Nase auf dem Boden hat, kann nicht das Steigen lernen…

Schritt 2: Vor der Übungseinheit einen Plan entwickeln

Die Anfänge der Trainingseinheiten sollten natürlich einfach gehalten werden. Wir beginnen mit Berührungen von Gegenständen. Jungpferde sind in

Pesi so ist es richtig, mit der Nase wird der Target berührt, der Klick folgt

Pesi: So ist es richtig – mit der Nase wird der Target berührt – der Klick folgt

diesem Alter sehr neugierig und untersuchen alles. Dabei hat man selbst eine Hand frei und kann korrekt das Klickern mit Leckerchen unterstützen.

Ich halte dem Pferd z. B. das Ende einer Gerte oder etwas Ähnliches vor die Nase. Wenn er den Griff mit der Nase berührt – Klick – gebe ich eine Futterbelohnung. Er bekommt nie Futter, wenn er die Nase an meinen Taschen hat. Aber jedes Mal, wenn seine Nase den Griff berührt, klickere ich und es gibt eine Belohnung.

So werden die Schwierigkeitsgrade langsam gesteigert. So liegt z. B. der Gertenstiel auf dem Boden und soll berührt werden. Hier ist das Timing mit dem Klicker sehr wichtig, und bitte niemals ungeduldig werden! Sollte es mal nicht vorwärts gehen, beende ich die Übung mit einer anderen, die bereits perfekt sitzt und beginne beim nächsten Mal einfach bei einem Schritt, der bereits super klappt.

Bitte nicht bei jungen Pferden täglich üben, das führt schnell zu Überforderung.

Schritt 3 – Sicherheit geht vor

Pferde sind und bleiben Fluchttiere, daher sollte auch bei Trainingsübungen immer auf die Sicherheit geachtet werden.  Vor der Übung werden Zäune und Tore geschlossen, damit kein Fluchtversuch unternommen werden kann.  Alles was flattert und für Unruhe sorgt, sollte vorher entfernt werden. Jegliche Ablenkung sollte vermieden werden, z. B. fremde Pferde mit auf dem Platz, Zuschauer, die sonst nie da sind oder ähnliches. Eure Position am Pferd sollte immer so sein, dass es Euch, falls es erschrickt, nicht versehentlich über den Haufen rennen kann. Sind die Sicherheitsvorkehrungen getroffen, steht einem motivierten miteinander Arbeiten nichts im Wege und Ihr können zusammen euren ganz persönlichen Weg finden, um Neues zu erarbeiten.

Ich arbeite mit meinem Pferd sehr bestimmt, ein Nein und Ignorieren reicht bei uns. Jedes Pferd ist natürlich anders und so muss man seinen eigenen guten Weg finden. Nicht vergessen: Auch negative Bestärkung ist eine Form von Aufmerksamkeit!

Die einfachste Variante wäre hier z. B.: Ich belohne mit dem Klicker das Wegschauen in eine andere Richtung oder das Stillstehen oder Nach-vorne-blicken. Dann wird geklickt und es gibt ein Leckerchen. Betteln wird ignoriert und Unruhe ebenso.

Pesi und ich wünschen ganz viel Freude bei Eurer gemeinsamen Arbeit am Boden. Ob jung oder alt – jedes Pferd freut sich über Abwechslung, vor allem bei Schietwetter :-)!

 

Ihre Nadin Uhlig

Nadin Uhlig
Nadin Uhlig

Die gelernte Tierarzthelferin, bei Geburt mit dem Pferdevirus infiziert, lebt und arbeitet für die Pferde.

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