Die Kolik beim Pferd – Symptome erkennen, reagieren und richtig handeln

Was genau bedeutet Kolik? Was ist die Kolik beim Pferd?

Die Kolik beim Pferd ist keine Krankheit in dem Sinne, sondern ein Krankheitssymptom und beschreibt im Grunde eine Fehlfunktion im MagenDarm-Bereich. Der Verdauungstrakt ist gestört.

Bei der Kolik gibt es nicht den einen Auslöser, viele Faktoren können zu einer Kolik führen.

Kolik beim Pferd – Welche Kolik-Arten gibt es und was sind die Ursachen?

Es gibt 9 verschieden Kolikarten, die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich.

Gaskolik

Die Gaskolik entsteht ursächlich durch aufblähende/ gärende oder auch mit Pilzen und Bakterien verunreinigte Futtermittel, die durch falsche Lagerung entstanden sind. Zu Futtermitteln, die beim Pferd zum aufblähen führen, gehören z.B. in der Sonne gelagertes Grünfutter, Mais, Klee, Rasenschnitt und auch Rüben. Bei der Gaskolik ist ein häufig sichtbar größerer Bauchumfang auffällig.

Magenüberladung

Es gibt 2 Varianten der Magenüberlagerung beim Pferd. Eine Art, die zu einer Kolik beim Pferd führen kann, ist zu viel quellendes Futter, dass nicht sorgfältig genug eingeweicht wurde, aber auch gärendes Futter kann zu dieser sogenannten primären Magenüberladung führen. Das Futter kann nicht in der normalen Geschwindigkeit den Magen passieren, es gärt oder quillt im Magen nach, es sammelt sich und der Magen wird überdehnt. Die 2. Variante ist die sekundäre Variante. Diese entsteht, wenn z.B. ein Darmverschluss vorliegt. Der Darminhalt wird nicht weiter transportiert. Futterreste und auch Speichel fließen aus dem Dünndarm zurück in den Magen. Die Magenüberladung ist mit heftigen Schmerzen verbunden, manche Pferde speicheln sogar, auch fällt die Atmung schwer, da der überdehnten Magen auf das Zwerchfell drückt, dadurch wird zusätzlich auch der Kreislauf geschwächt.

!Achtung! Bei dieser Kolik-Form handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, eine tierärztliche Versorgung muss umgehend stattfinden.

Eine Kolik, kann auch durch zu schnelles Anweiden entstehen.

Eine Kolik, kann auch durch zu schnelles Anweiden entstehen.

Sandkolik

Häufig entsteht eine Sandkolik bei Pferden im Frühjahr, wenn der Hunger auf das frische wachsende Gras schon sehr groß ist, nicht ausreichend Raufutter in Form von Heu zur Verfügung steht und auf dem Sandpaddock nach Grashälmchen gesucht wird. Dabei wird häufig Sand und Erde mit aufgenommen. Auch im Herbst, wenn die Pferde auf stark abgefressenen Wiesen weiden, nehmen sie durch die kurzen Gräser Erde und Wurzeln auf. Der Sand verbleibt im Darm und kann nicht abtransportiert werden. Dies kann zu einer Dickdarmverdrehung führen.

Krampfkolik

Bei einer Krampfkolik ist die Darmtätigkeit schubweise sehr hoch, die Pferde haben starke Bauchschmerzen und oft auch Schmerzkrämpfe. Daher gibt es auch die Ausdrucksweise spastische Kolik. Ursachen einer Krampfkolik sind häufig Fütterungsfehler, schlecht gekautes Futter, Stress, aber auch Wurmbefall.

Bei starkem Wurmbefall wandern Wurmlarven durch die Darmwand, dadurch entstehen Blutgerinsel (Thrombosen), diese können auch Jahre später noch zu Embolien (Verstopfug der Blutgefäße) führen. Durch eine Embolie kann die Darmtätigkeit in Abschnitten zum Erliegen kommen.

Dickdarmverstopfung

Eine Dickdarmverstopfung entsteht häufig durch Haltungs- oder Fütterungsfehler. Bekommt das Pferd z.B. zu wenig Heu, zu viel Stroh oder auch zu wenig Wasser, kann der Darminhalt durch den Mangel an Flüssigkeit zu fest werden und dadurch nicht mehr ausgeschieden werden. Eine weitere Ursache können auch schlechte Zähne sein, dadurch kann das Pferd, dass Futter nicht mehr richtig zerkleinern beim Kauen. Leider sind auch lange Fresspausen ein Problem, da die Pferde, wenn sie dann Fressen bekommen, sich auf das Futter stürzen und dann auch nicht richtig kauen, durch den Hunger, den sie haben.

Dickdarmverstopfungen können mehrere Tage anhalten, in dieser Phase zeigen manche Pferde gar keine Probleme, die Pferdeäppel sind aber auch dann sehr fest und es bedarf einer tierärztlichen Behandlung.

Dünndarmverstopfung

Bei der Dünndarmverstopfung geht meistens eine falsche Fütterung wie Rasenschnitt voraus. Auch Spulwürmer oder Fettgeschwülste, die den Darm zusammendrücken, können zu einer Verstopfung im Dünndarm führen. Die Dünndarmkolik gibt es eher selten im Vergleich zur Krampf- oder Gaskoliken. Bemerkbar macht sie sich neben den starken Bauchschmerzen aber auffällig durch übelriechende, dünne Pferdeäppel.

Auch ein starker Wurmbefall, kann Ursache für eine Kolik sein

Auch ein starker Wurmbefall, kann Ursache für eine Kolik sein

Darmverdrehung – Verschlingung

Häufig sind Fehlgärungen im Darm die Ursache für Verschlingungen oder sogar Verdrehungen des Darms.

Der Darm ist nicht in der Bauchhöhle befestigt, findet nun z.B. durch Bakterien ein Gärprozess im Darm statt, gast dieser auf und wird nach oben gedrückt. Wenn dann durch Überladung ein anderer Teil des Darms absinkt, kann es ganz leicht zu einer Darmverschlingung kommen. Häufigste Ursache für ein Darmverdrehung- oder Verschlingung ist schlechtes Futter oder eine gravierende Futterumstellung. Der Darm benötigt ca. 4 Wochen, um sich komplett auf neues Futter umzustellen.

Darmverschlingungen können meistens nur operativ behandelt werden.

Darmverschluss

Ein Darmverschluss entsteht, wenn der Darm nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeitet und die Futterreste nicht mehr weiter transportiert werden. Dadurch entsteht eine größere Ansammlung der Futterreste, das führt dazu, dass der Darm sich verkrampft. Die Darmmuskulatur stellt seine Arbeit ein und alles kommt ins Stocken, es kann sogar zu Lähmungen in dem betroffenen Darmabschnitt kommen.

Darmeinklemmung

Zu einer Darmeinklemmung kann es z.B. kommen, wenn durch Überanstrengungen, Stürze oder andere Unfälle in der Bauchmuskulatur Lücken entstehen, oder sich in der Bauchhöhle unnatürlich Öffnungen befinden. Der Darm kann in diese Lücken rutschen und klemmt bei verstärkter Darmtätigkeit z.B. bei Futteraufnahme ein.

Kolik beim Pferd – Welche Symptome können auftreten?

ein Pferd mit einer Kolik, hat oft starke Bauchschmerzen

ein Pferd mit einer Kolik, hat oft starke Bauchschmerzen

  • unruhiges Verhalten
  • scharren mit den Vorderbeinen
  • wiederholtes hinlegen und aufstehen
  • dabei vermehrtes stöhnen
  • immer widerkehrender Blick zum Bauch
  • vermehrtes schwitzen
  • häufiges flehmen, erhöhte Atemfrequenz
  • kein Kotabsatz
  • geblähter Bauch, berührungsempfindlich

Mein Pferd hat eine Kolik – was kann ich tun?

Eine Kolik kann immer lebensbedrohlich für das Pferd sein, daher können wir als Laien auch nicht die Schwere oder die Art der Kolik einstufen. Als 1. muss immer der Tierarzt umgehend gerufen werden. In der Wartezeit auf den Tierarzt sollte das Pferd erstversorgt werden.

  • verabreichen Sie keine Medikamente!
  • verhindern Sie eine weitere Futteraufnahme, dies kann zu einer Magenüberladung führen
  • stellen Sie das Pferd nicht in die Box, es könnte sich hinlegen und nicht wieder hochkommen
  • führen Sie Ihr Pferd langsam im Schritt und machen Pausen, damit der Kreislauf stabil bleibt
  • verhindern Sie ein unkontrolliertes hinlegen, hier kann ein erhöhtes Verletzungsrisiko auch für Sie entstehen
  • sollten Kreislaufprobleme auftauchen, unterstützen Sie mit einer Decke, um ein Auskühlen zu verhindern
  • prüfen Sie die Vitalwerte, so können Sie diese dem Tierarzt direkt beim Eintreffen mitteilen

Kolik-Behandlung durch den Tierarzt

Der Tierarzt wird versuchen die Ursache und die Art der Kolik zu bestimmen. Daraus resultierend wird er die Behandlung beginnen. Er wird den Allgemeinzustand untersuchen, Temperatur messen und auch nochmal die Atemfrequenz kontrollieren.

Behandlung durch den Tierarzt Kreislaufunterstützend mit Infusion

Behandlung durch den Tierarzt Kreislaufunterstützend mit Infusion

Die Behandlung kann je nach Art der Kolik ganz unterschiedlich sein.

Häufig wird eine Nasen-Schlund Sonde eingesetzt um eventuelle Gase, oder Flüssigkeiten aus dem Magen zu entfernen, da Pferde sich nicht erbrechen können. Durch die Nasen-Schlund-Sonde können verschiedene Hilfsmittel eingegeben werden. Sollte der Darm durch eine Verstopfungskolik betroffen sein, wird gut verdauliches Öl eingegeben, um die Verdauungsvorgänge im Darm wieder zu aktivieren. Bei schweren Gaskoliken kommt es manchmal zu Einläufen durch die Sonde oder aber auch durch eine äußerliche Punktion.

Für den Kreislauf wird der Tierarzt eventuell auch eine Infusion verabreichen.

Bei schweren Koliken, Verlagerungen oder Verdrehungen des Darms ist eine Operation unumgänglich, hierfür muss das Pferd umgehend in die Klinik.

Wie kann man einer Kolik vorbeugen?

  • vermeiden Sie plötzliche Futterumstellung
  • achten Sie auf regelmäßige Fütterung, möglichst wenige/keine Fresspausen
  • gute Futterqualität
  • erst Heu, dann Kraftfutter
  • gutes Parasitenmanagment
  • vermeiden Sie plötzlichen Stress
  • gute Einstreu
  • Weidemanagement beim Anweiden und keine abgefressenen Weiden

 

Fazit:

  • Pferde sind Dauerfresser, ihr Körper ist auf eine gleichmäßige und langsame Futteraufnahme ausgelegt
  • sorgen Sie immer für ausreichend Bewegung, dies sollte man unbedingt in der Pferdehaltung berücksichtigen und die Fütterung darauf auslegen
  • stellen Sie immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung
  • füttern Sie Heu nicht vom sandigen Boden, damit der Sand nicht versehentlich mitgefressen werden kann
  • achten Sie auf eine gute Gesundheitsvorsorge, hierzu gehören auch regelmäßige Zahnkontrollen und Wurmkuren
  • vermeiden Sie Stress und plötzliche Futterwechsel
  • halten Sie den Darm gesund, hier kann eine gute Darmsanierung sehr hilfreich sein
  • schützen Sie den Magen Ihres Pferdes

Alles Gute für Sie und Ihr Pferd wünscht Ihre Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Die gelernte Tierarzthelferin, bei Geburt mit dem Pferdevirus infiziert, lebt und arbeitet für die Pferde.

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