Mein altes Pferd Jonny

Ein altes Pferd – wie alt werden Pferde

Jonny ist ein altes Pferd, er ist jenseits der 40, geschätzt auf 43 Jahre. Sein genaues Alter wissen wir nicht. Er lebt inzwischen seit 16 Jahren bei mir.

Ich denke ein Pferd hat mit 30-35 Jahren schon ein sehr gutes Alter erreicht, sicherlich spielen auch Rasse und Gewicht und auch die Haltung eine Rolle.

Alte Pferde, aus schlechter Haltung

Jonny wurde in jungen Jahren nicht gut behandelt, er war sehr kopfscheu und auch das Handling war nicht immer einfach als er bei uns ankam. Die Haltung in einer Box war damals unmöglich, er bekam totale Panik.  Zurück geblieben aus dieser Zeit ist ein „Knickohr“

Als ich ihn übernahm, sollte er zum Schlachter, da er nicht reitbar und nicht fahrbar war. Er war ein Durchgänger.

Alte Pferde brauchen viel Bewegung

Alte Pferde brauchen viel Bewegung

Er kam mit etwa 26 Jahren zu mir, ich wollte gern ein Beistellpferd für meine Stute. Da er sanftmütig war und sich immer über Zuwendung freute, begann ich ihn zu arbeiten, hauptsächlich die Rückenmuskulatur zu stärken und Vertrauensarbeit mit ihm zu machen. Oft nahm ich ihn als Handpferd auf Ausritten mit, was beiden Pferden sehr gut gefiel.

Immer wieder zeigte er mir deutlich, dass er noch nicht zum alten Eisen mit seinen 26-27 Jahren zählte und tatsächlich begann ich ihn zu reiten. Er fand es genial und ich bin ihn fast ausschließlich ohne Gebiss und nur mit der Stimme geritten, da er sobald man zu fest in der Hand wurde, sich auf das Gebiss festgebissen hat und durchgegangen ist. Bis er 29 Jahre alt war, waren wir sogar auf Reitjagten unterwegs, hier bewies er wirklich jedem, ob 2 oder 4 Beiner, dass er der schnellste ist und ihm niemand das Wasser reichen kann. Er schummelte sich zwischen andere Pferde um Springen zu können, sprang mit Wonne in einen Teich oder konnte es nicht abwarten bis die Pause vorbei war und sich das Feld wieder in Bewegung setzte.

Selbst heute ist er noch freudig und aufgeregt, wenn er die Jagdhornbläser oder eine Jagdgesellschaft an seiner Wiese vorbeiziehen sieht. Er begleitet diese stets.

Reiten tue ich ihn schon lange nicht mehr, einige Kinder durften aber noch auf seinem Rücken an der Elbe entlang reiten. Er geht noch immer gern baden und das versuchen wir ihm natürlich auch noch oft zu ermöglichen. Alles natürlich zu seinen Bedingungen.

Besonderheiten, oder wie lebt es sich mit einem alten Pferd

Unser Jonny, inzwischen liebevoll von allen Opa genannt, genießt seinen Lebensabend bei uns und erhält außer vielen extra Streicheleinheiten auch anderen Luxus, von dem unsere anderen Pferde nur träumen können.

Jonny hat kaum noch Zähne und die übrig gebliebenen sind auch nicht mehr funktionstüchtig. Auf Grund seines hohen Alters, ist eine Sedierung nicht mehr anwendbar. Durch die Misshandlungen in jungen Jahren, lässt er aber auch keine Behandlungen am Kopf von einem Tierarzt oder Zahnarzt zu, also machen wir das Beste daraus.

Er steht alleine auf seiner Wiese und hat zu beiden Seiten Pferdegesellschaft. Er war schon immer sehr weit hinten in der Rangfolge und hätte so keine Chance an Futter zu kommen, auch die Köperpflege durch den Menschen zieht er der durch andere Pferde vor. Ein wenig Kraueln durch den Zaun mit der kleinen Lizzy ist völlig in Ordnung, ist das kleine Pony bei ihm auf der Wiese, weil es mal wieder ausgebüchst ist, wird er hektisch und hat Stress. Die Nachbarschaft der Pferde genießt er und durch die mittige Lage seiner Wiese, fühlt er sich sicher und wohl.

Heucobs als Heuersatz bei alten Pferden

Heucobs als Heuersatz bei alten Pferden

Fütterung – altes Pferd

Jonny steht im Offenstall. Er hat immer Heu zur Verfügung und im Sommer natürlich Gras. Er kann beides nicht mehr fressen, bildet nur noch „Knäule“. Für seine Psyche jedoch ist es mehr als wichtig.

Er ist immer in Bewegung, grast und mümmelt neben den Ponys sein Heu. Wiederkehrende Tagesabläufe sind für ihn sehr wichtig und auch eine klare Struktur mit festen Zufütterungszeiten. Selbst die Reihenfolge bei der Verteilung der Eimer spielt eine Rolle bei ihm. Jegliche Veränderung bei diesen Abläufen führt zu Stress und dadurch zu Gewichtsverlust.

Seit Jahren füttern wir als Heuersatz Heucobs dazu, für die Energie erhält er Hafer. Die Mengen werden jährlich mehr und im Winter hat er natürlich noch einen höheren Bedarf.

Soll man ein altes Pferd eindecken

Vor weg sollte ich vielleicht sagen: Ich bin absolut kein Deckenfreund!

Opa hat allerdings einen so hohen Energiebedarf, dass es seinem Körper in diesem hohen Alter nicht mehr möglich ist, dies auszugleichen. Etwa zu der Zeit, als wir mit den Heucobs begannen, benötigte er auch eine Decke. Hier habe ich inzwischen auch schon viele verschiedene Modelle, was nicht auch zuletzt seinen wahnsinnigen Senkrücken zu Schulden ist. Schon als Jonny bei uns einzog, hatte er einen „eingebauten“ Sattel, dass ist über die Jahre nicht besser geworden. Bei den Decken ist dies natürlich schwierig, da sie in der Regel zu groß sind oder auf dem Wiederrist scheuern. Wir benötigen also welche mit Halsteil, oder Maß angefertigte.

Bis vor 2 Jahren konnte er noch bis 7 Grad ohne Decke laufen, auch brauchte er häufig nur nachts eine Decke. Seit diesem Jahr hat sich das stark verändert. Regen ist für ihn wirklich schlimm geworden und er benötigt inzwischen auch bei 12 Grad häufig nachts eine Decke.

Altes Pferd eindecken

Altes Pferd eindecken

Der Abschied für immer – das alte Pferd begleiten

Das alles nehme ich aber liebend gern in Kauf und ich weiß, dass unsere Zeit begrenzt ist und es natürlich nicht immer einfach mit so einem betagten Opa ist. Auch wenn das Zusatzfutter natürlich enorme Kosten verursacht, bin ich trotzdem über jeden Tag an dem es ihm gut geht glücklich. Ich freue mich, wenn alle anderen sich bei der Hitze quälen und er einfach genießt und genüsslich seine Heucops-Pampe mampft und mir ganz zufällig seine Schnute am T-Shirt abwischt.

Er mich einfach umrämpelt, weil er vergessen hat, dass ich gerade dort stehe, er fix verschwinden will, wenn der Schmied kommt oder er einfach ewig in dem Himmel schaut. All das sind für mich Zeichen, Opa geht es gut und ich muss mir über einen Abschied noch keine Sorgen machen.

Der Gedanke schwingt natürlich immer mit, ich bin nicht naiv und bei einem Pferd von 43 Jahren… aber trotzdem 😊!

 

Ihre Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Die gelernte Tierarzthelferin, bei Geburt mit dem Pferdevirus infiziert, lebt und arbeitet für die Pferde.

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