Offenstall für mein Pferd

Schon immer war ich bemüht die Haltung für meine Pferde so artgerecht wie möglich zu gestalten, doch je nach dem wo man selber wohnt und ob man sein Pferd zuhause oder im Pensionsstall stehen hat, klaffen Wunsch und Realität oft weit auseinander. Als ich vor 1 ½ Jahren mit meinem Pferd zu meinem Freund zog, gab es eine Box für mein Pferd und es gab 2 ganz kleine Wiesen für die Pferde. Auf den Weiden gab es noch nicht einmal einen Unterstand oder ein Weidezelt, so dass sie bei Sonnenschein auch keinen Schatten hatten. Zum Glück waren bereits 3 Pferde auf dem Hof, so dass mein Pferd Gesellschaft hat. Aber die 2 kleinen Stücken Weide langten gerade einmal um die 4 Pferde tagsüber einige Stunden rauszustellen und auch für den Winter gab es keinen Paddock. Den Winterauslauf haben wir im gleichen Jahr noch angelegt und er wurde so gestaltet, dass er als Reitplatz und als Paddock zu nutzen ist. Ein Teil lässt sich absperren, so dass die anderen Pferde trotzdem draußen bleiben können, wenn jemand reitet. Das war schon mal toll, aber leider ist auf dem Auslauf kein Unterstand oder Wetterschutz, weshalb nachts dann doch wieder Box für mein Pferd angesagt war. Okay, war die anderen Jahre, die mein Pferd im Pensionsstall stand zwar auch immer so, aber schön fand ich es nie, sind es am Ende doch immer mehr Stunden die die Pferde ohne Bewegung in der Box verbringen als dass sie draußen sind. Auch meinem Pferd ist es nie so gut bekommen, was man morgens immer an den angelaufenen Beinen gesehen hat.

Pferde brauchen freie Bewegung und soziale Kontakte

Für manche Reiter ist es vielleicht bequemer, wenn die Pferde im Stall in Boxen stehen. Viele glauben auch, dass eine Paddockbox dem Pferd genug Bewegung verschafft, dem ist aber nicht so. In den Paddockboxen stehen die Pferde alleine, es fehlen also die sozialen Kontakte und der Paddock ist meistens nur so groß wie die Box selber. Die Grundbedürfnisse der Pferde nach Bewegung und Kontakten zu anderen Pferden werden so nicht gestillt.

Ich hätte mein Pferd am liebsten 24 Stunden draußen und verzichte lieber auf meine eigene Bequemlichkeit. Im zweiten Sommer bei meinem Freund gelang es mir auch, da ich eine neue, mehr als 3 Hektar große Wiese für die Pferde einzäunen konnte. Unsere bisherigen Weideplätze sind alle nicht ganz optimal und auch recht klein, aber diese Weide ist perfekt. Es gibt Wasser, es gibt Bäume die Schatten spenden und an denen die Pferde sich kratzen können, es gibt trockene und feuchte Bereich und es gibt Gras ohne Ende. Mit kurzen Unterbrechungen, z.B. um die Wiese nachzumähen oder während der Bremsenzeit, konnten die Pferde den ganzen Sommer Tag und Nacht dort bleiben. Nun musste noch etwas adäquates für den Winter her, am liebsten in Form einer Offenstallhaltung. Ich hatte da den Weideschuppen im Auge, den ich während der heißen Jahreszeit bereits für die Pferde genutzt hatte. Dort hatten sie Schutz vor der Sonne und vor den Bremsen gefunden. Allerdings ist die Weide, auf der der Schuppen steht, nicht wintertauglich, da sie zu feucht ist und die Pferde nach kurzer Zeit im Schlamm versinken würden.

Auf der Fläche vor dem Offenstall wurde eine dicke Schicht Sand aufgefahren

Auf der Fläche vor dem Offenstall wurde eine dicke Schicht Sand aufgefahren

Ein Offenstall muss auf einem trockenen Stück Land sein

Soll das Pferd den Winter in Offenstallhaltung verbringen, muss man einfach einkalkulieren, dass es unter Umständen Tage und Wochen nur regen kann. Die Gegebenheiten sollten so sein, dass sich die Umgebung des Offenstalls dann nicht in eine Schlammwüste verwandelt. Ich musste mir also was überlegen, damit meine geplante Offenstallhaltung nicht zur Schlammschlacht wird. So habe ich vor dem Stall einen Teil der Wiese abgetrennt und dort 10 LKW Ladungen Sand auffahren lassen. Vorher habe ich noch ein Rohr eingegraben, welches Regenwasser, was sich in einer Senke an der Wiese immer ansammelte, ableitet. Der Sand wurde überall auf dem abgeteilten Stückchen verteilt. Besonders dick ist die Schicht am Eingang zum Offenstall und dort wo die Heuraufe steht.

Seit Ende Oktober wohnt mein Pferd nun zusammen mit einem weiteren Pferd dort. Und nach dem mehr als verregneten November kann ich sagen, ja es funktioniert. Lediglich in dem stark strapazierten Bereich rund um die Raufe bilden sich manchmal kleine Pfützen aber ansonsten stehen die Pferde sehr gut auf ihrem Sandberg. Sie lieben es vor allem in dem weichen Sand zu liegen und sich zu wälzen. In dem Offenstall an sich halten sie sich sehr wenig auf. Obwohl ich dort auch Stroh und Heu drin habe, habe ich es erst einmal gesehen, dass sie dort drin standen. Das war nach 2 Tagen Dauerregen, da hatten die beiden dann wohl doch genug vom Wasser und haben sich unter gestellt.

Auch im Offenstall muss täglich gemistet werden

Damit der Sand auch lange hält und weiterhin das Regenwasser gut ab siebt, sammele ich jeden Tag die Pferdeäppel ein, miste den Stall aus und mache den Bereich rund um die Heuraufe gründlich sauber. Die Raufe ist so groß, dass ich auch große Rundballen oder Quaderballen dort rein tun kann und sie hat ein Dach damit das Heu nicht nass wird. Das ist wichtig, denn die 2 Pferde fressen an so einem Rundballen ca. 2 Wochen, in der Zeit würde das Heu sonst anfangen zu schimmeln, wenn es nass regnet. Zusätzlich tue ich ihnen auch immer Heu in den Stall rein, aber meistens sind die zwei lieber draußen.

Die Wasserversorgung ist jetzt bei Plusgraden noch kein Problem, denn an der Wiese ist ein Wasseranschluss über den ich eine ausrangierte Badewanne befülle. Bei Frost wird es schwieriger. Da habe ich dann einen 80 Liter Wassersack, welchen ich in eine Schubkarre tue, am Haus mit einem Schlauch befülle und dann zur Wiese fahre. Es geht wirklich ganz gut, aber man braucht Kraft um die volle Schubkarre zu den Pferden zu fahren.

Die Pferde lieben es im Sand zu liegen und sich zu wälzen.

Die Pferde lieben es im Sand zu liegen und sich zu wälzen.

Beide Pferde werden regelmäßig geritten, tun jedoch nicht so viel, dass sie unbedingt Kraftfutter bräuchten. Da ich im Offenstall noch keine Futterkrippen habe, stelle ich bei Bedarf die Pferde in ihre alten Boxen und gebe ihnen da ihren Hafer, Mineralfutter oder was sie gerade kriegen sollen. In der Zwischenzeit mache ich meistens draußen sauber.

Fazit

Ich habe das Gefühl die beiden fühlen sich echt wohl mit ihrem Offenstall. Es müssten noch ein paar mehr Bewegungsanreize gesetzt werden, damit sie nicht den ganzen Tag nur an der Raufe stehen. Aber es ist schon mal besser als letzten Winter, wo sie ca. 15 Stunden am Tag in der Box standen und nur ca. 9 Stunden draußen auf dem Paddock waren. Auch die Tierärztin bestätigte mir, als sie vor ein paar Tagen zum impfen da war, dass beide Pferde in einer sehr guten Verfassung wären. Für den nächsten Winter habe ich mir vorgenommen noch einen Rundweg um die Wiese anzulegen, vielleicht kriege ich damit noch etwas mehr Bewegung in die beiden. Am schönsten wäre natürlich eine Art Aktivstall, wo die Pferde den ganzen Tag zwischen verschiedenen Funktionsbereichen pendeln – im Stall ist der Ruhebereich, auf dem Paddock der Fressbereich für Raufutter, an einer anderen Stelle der Futterautomat für Kraftfutter und das Wasser ist wieder am ganz anderen Ende des Auslauf. Das ist Pferdehaltung wie ich sie mag, aber leider haben wir bei uns auf dem Hof nicht die geeigneten Flächen dafür.

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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1 Kommentar(e)

  1. Pingback: Bodenbefestigung im Offenstall – damit die Pferde nicht im Matsch stehen

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