Phlegmone / Einschuss beim Pferd erkennen und behandeln

Die Laien nennen es meistens Einschuss, beim Tierarzt heißt es Phlegmone. Eine großflächige Entzündung des Unterhautgewebes, der Lymphgefäße und des Bindegewebes. Diese wird verursacht durch Bakterien, die durch Verletzungen der Haut eindringen und sich ausbreiten. Das Phänomen ist, dass meistens keine offensichtliche Verletzung erkennbar ist. Den einen Tag ist noch alles in Ordnung und am nächsten Tag hat das Pferd plötzlich ein dickes Bein, ohne dass man wüsste, wo das her kommen sollte. Als Eintrittspforte langt bereits eine minimale Verletzung der Hautoberfläche. Solche kleinen Wunden schließen sich schnell wieder und schon haben die Keime, die auch die Haut eines gesunden Pferdes besiedeln, optimale Bedingungen und vermehren sich sehr gut unter Luftabschluss. Hat das Pferd jedoch einen offensichtlichen Kratzer, der am besten auch geblutet hat, passiert meistens nichts, da die Keime aus der Wunder herausgespült werden.

Besonders gefährdet sind Pferde mit einem geschwächten Immunsystem und Pferde mit Hautproblemen wie z.B. Mauke, wo die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört ist. Sind die Keime in das Unterhautgewebe eingedrungen, versucht der Körper dieses mit einer Entzündungsreaktion zu bekämpfen. Innerhalb weniger Stunden entsteht eine deutliche Schwellung, die Haut ist prall gefüllt und gespannt und die betroffene Stelle ist warm.

Eine Phlegmone / Einschuss beim Pferd muss sofort behandelt werden

Die Phlegmone kann überall dort auftreten wo es Unterhautgewebe gibt, häufig sind jedoch die Beine betroffen und da meistens die Hinterbein. Das kommt daher, dass in den Hinterbeinen, aufgrund der größeren Entfernung zum Herzen, die Blutzirkulation schwächer ist und so entzündliche Gewebeflüssigkeit nicht ausreichend abtransportiert wird. Neben einem schlechten Allgemeinbefinden, kommt es zu Lahmheiten und in schweren Fällen auch zu Fieber. So ein Einschuss sollte also nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Natürlich hat man manchmal Erfolg, wenn man das Bein sofort gut kühlt und z.B. Percutin Paste (Tonerde mit Arnika, Isopropanol, Kamille und Menthol) drauf schmiert, oder alternativ einen Angussverband mit Arnikatee (wirkt antibakteriell und entzündungshemmend) anlegt. Auch ich habe so schon einige leichte Fälle von Phlegmonen bei meinem Pferd behandelt. Sollte aber nach 24 Stunden keine Besserung ersichtlich sein, muss unbedingt der Tierarzt gerufen werden, denn dann wird der Körper des Pferdes nicht alleine mit den Keimen fertig und braucht Unterstützung in Form von Antibiotika.

Bei einer Phlegmone am Bein kann ein Angussverband angelegt werden.

Bei einer Phlegmone am Bein kann ein Angussverband angelegt werden.

Wer sich unsicher ist, ob sein Pferd einen Einschuss hat oder nicht, sollte nicht so lange warten, bis das Pferd Fieber entwickelt und sich der Allgemeinzustand so weit verschlechtert, dass es vielleicht sogar das fressen einstellt. Nicht nur der Behandlungsaufwand steigt mit jedem Tag, den man länger wartet, auch kann es zu irreversiblen Folgeschäden im entzündeten Gewebe kommen. Oft hat das Pferd starke Schmerzen, gerade bei den Phlegmonen am Bein. Unter Umständen kann die Entlastung des kranken Beines und die damit einhergehende Überlastung der gesunden Beine sogar zu einer Belastungsrehe führen. Also lieber einmal zu früh den Tierarzt rufen als vielleicht zu spät.

Weitere, aber zum Glück seltene, Komplikationen sind, dass es notwendig sein kann, dass der Tierarzt die eitrige Entzündung eröffnet, weil sich ein Abszess gebildet hat. Mit der Eröffnung des Abszess soll vermieden werden, dass die Vereiterung auf Blutgefäße und Gelenke übergreift, was zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen könnte. Manchmal entwickelt sich auch eine chronische Phlegmone, weil durch die Entzündung Lymphgefäße beschädigt wurden und so der Lymphabfluss gestört bleibt.

Bei der Phlegmone / dem Einschuss wird einmal mehr wieder deutlich, wie wichtig eine funktionierende Hautbarriere und ein schlagkräftiges Immunsystem ist. Jeder Pferdekörper wird tag täglich mit Keimen konfrontiert, aber nur beim geschwächten Körper habe diese eine Chance sich einzunisten und zu vermehren.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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1 Kommentar(e)

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