Plötzlicher Weidetod bei Pferden- die atypische Weidemyopathie

Gerade jetzt im Herbst, aber auch im Frühjahr, ist wieder der Albtraum für Pferdehalter ein Thema. Dieser schleichenden Vergiftung sind schon viele Pferde zum Opfer gefallen.

Doch was ist die atypische Weidemyopathie beim Pferd und viel wichtiger: Wie verhindere ich diese und schütze mein Pferd?

Lange Zeit gab es Spekulationen über die Ursache der Weidemyopathie. 2012 führten Studien zu dem Ergebnis, dass der Auslöser ein in den Sämlingen und Samen des Berg-Ahorns (Acer pseudoplantanus) enthaltenes Gift ist. Im Jahr 2015 wurde diese Studie durch weitere Untersuchungen bestätigt.

Welche Faktoren begünstigen den plötzlichen Weidetod:

Berghorn - Der Giftstoff Hypoglycin A bildet sich in den Samen

Berghorn – Der Giftstoff Hypoglycin A bildet sich in den Samen

  • Berg-Ahorn in der Umgebung der Weidefläche
  • wohlgenährte Jungpferde
  • leichter Frost
  • überweidete Pferdekoppeln, auf denen nicht zugefüttert wird

Wie lässt sich das Risiko bei Pferden, an einer Vergiftung zu erkranken, klein halten

Oft bleiben Pferde bis Ende November auf den Wiesen. Solange eine ausreichende Heufütterung gewährleistet ist, stellt das auch kein Problem dar. Sollte dies aber nicht möglich sein, empfiehlt es sich unbedingt, die Pferde von den abgefressenen Wiesen herunter zu holen und im Frühjahr auch erst wieder anzuweiden, wenn ausreichend Futter auf den Weiden vorhanden ist. Wächst in der Nähe der Pferdeweiden Bergahorn, sollte man das Risiko gar nicht eingehen und sie rechtzeitig von den betreffenden Wiesen herunterholen und auch erst im Frühsommer wieder dorthin verbringen. Stauwasser-Tümpel sollten weggezäunt werden und für die Pferde eine Frischwassertränke zur Verfügung stellen. Stehen nur Wiesen zur Verfügung, die in gefährdeten Gebieten liegen, sollte darauf geachtet werden, dass die Weidezeit nur begrenzt über wenige Stunden am Tag genutzt wird. Es sollte auf jeden Fall Heu zur Verfügung stehen. Eine Überweidung möglichst vermieden werden. Die Pferde sollten in solchen Gebieten nicht hungrig auf die Weide gestellt werden, damit ihre instinkte funktionieren und sie die Samen von allein meiden.

Die beste Vorsorge ist ein gut durchdachtes Weidemanagement in betroffenen Gebieten.

Was tun, wenn mein Pferd die Samen gefressen hat – Symptome der Weidemyopathie

Das Gift beginnt bereits nach 12 h zu wirken. In diesem Zeitraum kann der Tierarzt noch handeln, danach bestehen leider kaum noch Chancen auf Heilung.

Der Giftstoff aus den Samen Hypoglycin A blockiert Enzyme. Enzyme sind wichtig für den Fettstoffwechsel. Durch Enzyme wird Energie aus Fett gewonnen. Sind die Wiesen im Herbst von den Pferden kurz gefressen und es wird keine Zufütterung zur Verfügung gestellt, sind die Pferde hungrig. Sie sind dann nicht mehr so wählerisch mit Ihrem Futter und fressen daher z.B. auch Laub, Eicheln sowie leider darin versteckte Ahorn-Samen, die vom Wind dort rein geraten sein können. Das übriggebliebene Futter das Gras bietet nur wenig oder gar keine Energie.

Im Herbst hat sich der Stoffwechsel der Pferde umgestellt. Es wird vermehrt Körperfett verbrannt, dieser Prozess dient zur Energiegewinnung.

Wird das Gift Hypoglycin A durch die Samen aufgenommen, führt es dazu, dass der Fettstoffwechsel zusammenbricht. Diese hat schwerwiegende Folgen und führt zum Tod des Pferdes.

Skelettmuskeln, Herz- und Atemmuskulatur werden nicht mehr mit Energie versorgt.

Bergahorn-Samen, finden sich oft weit entfernt vom Baum

Bergahorn-Samen, finden sich oft weit entfernt vom Baum

Die Folgen sind:

  • blasse Schleimhäute
  • nicht funktionierende Kaumuskulatur
  • Koliksymptome
  • erhöhte Atmung und Puls
  • Schwitzen und Untertemperatur
  • Dunkel gefärbter Urin
  • schwankender Gang und Muskelzittern
  • häufig kann die Folge ein Sturz sein und daraus resultierend das Festliegen

 

Bei Feststellung dieser Symptome kann nur ein Tierarzt helfen und die Hilfe sollte schnell gerufen werden!

Der Tierarzt wird versuchen, durch Gabe verschiedener Medikamente und Infusionen, das Gift aus dem Körper Ihres Pferdes zu schwemmen und den Stoffwechsel wieder in Gang zu bekommen. Diese Behandlung wird eine längere Zeit dauern. Wenn das Pferd stabil ist, wieder stehen kann und die Futteraufnahme funktioniert, wird der Tierarzt die Behandlung abschließen.

Nach der erfolgten Behandlung des Tierarztes empfehle ich eine angepasste vorsichtige Fütterung und auf jeden Fall eine Entgiftungskur aus einer Kombination mit Kristallkraft NO1 und NO2 zu machen und zusätzlich Ihr Pferd mit unserem The Mineral für eine optimale Nährstoffversorgung zu unterstützen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Pferd alles Gute.

Nadin Uhlig

Nadin Uhlig

Die gelernte Tierarzthelferin, bei Geburt mit dem Pferdevirus infiziert, lebt und arbeitet für die Pferde.

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