Siouxsie – ein Hund von der Straße und die möglichen Anfangsprobleme im Menschenrudel

Es gibt immer wieder Missverständnisse zwischen Menschen und Haustieren, die oftmals gar nicht bewusst wahrgenommen werden. Mancher Tierbesitzer wundert sich, warum der Hund in dieser Art und Weise reagiert oder warum er einfach eine Unart nicht lässt. Sein Tier kann sich natürlich nicht so verständlich machen und dann sind Stress und Streit vorprogrammiert. Das Tier wird womöglich noch bestraft und weiß gar nicht warum.

Tierkommunikation als Vermittlungshilfe

Hier kann die Tierkommunikation als Vermittlungsmöglichkeit unterstützen und dem Menschen das Verhalten seines Tieres erklären und dem Tier, dass bei den Menschen manches anders ist als bei seiner Art. Daher stelle ich Ihnen gerne Beispiel aus meiner Praxis vor.

Siouxsie – ein Hund von der Straße und die Probleme, die zu Hause auftreten können, wenn man den Hund nicht vom Welpenalter an kennt.

Hintergrund: Siouxsie kam aus Osteuropa nach Deutschland und wurde an eine tierliebende Familie vermittelt. Sie wurde als Welpe mit ihren Geschwistern mutterlos im Wald gefunden. Da liegt es auf der Hand, dass dies ein Trauma hinterließ.

Siouxsie war wenige Monate alt, als sie nach Deutschland kam. Nun lebte sie schon fast 1 Jahr in der Familie und diese meinte, Siouxsie habe sich nun schon eingelebt. Allerdings gab es immer Probleme, wenn die Frau der Familie weg war und Siouxsie zu Hause beim Rest der Familie bleiben sollte. Sie jaulte ständig und lief ganz unruhig umher. Keiner konnte sie beruhigen. Wenn der Mann sich mit Siouxsie beschäftigen wollte, dann legte sie sich sofort unterwürfig hin und blieb so liegen, ohne dass sie auf das, was der Mann von ihr wollte, reagierte.

Außerdem fing sie das Jagen an und hörte nicht, wenn sie einem Hasen oder Wildschwein nachlief. Irgendwann kam sie zwar erschöpft wieder, aber sie ließ sich nicht abrufen.

Dies führte langsam in der Familie zum Unmut und drohte sich zu Lasten des Hundes zu entwickeln. Die Frau, aufgrund Ihres Wunsches wurde der Hund angeschafft, wandte sich an mich, um die Problemfelder mit Siouxsie zu „besprechen“.

Folgende Fragen sollte ich Siouxsie stellen:

  1. Warum hast Du nach so vielen Monaten der Eingewöhnungszeit immer noch solche große Angst, wenn dein Frauchen weggeht, obwohl du nicht alleine bist und die anderen Familienmitglieder täglich um dich sind.
  2. Warum legst du dich immer unterwürfig vor deinem Herrchen hin, so dass er gar nichts mit dir machen kann?
  3. Warum jagst du denn beim Spazieren gehen die Hasen und Wildschweine und hörst nicht, wenn man dich noch in der Situation des Weglaufens ruft?
Über das Foto nahm ich Kontakt zu Siouxsie auf.

Über das Foto nahm ich Kontakt zu Siouxsie auf.

Ein Bild von Siouxsie, auf dem ich Ihre Augen gut sehen konnte, lag dabei. Über das Bild nahm ich Kontakt zu Siouxsie auf. Ich erklärte ihr, wer ich bin und warum ich mit Ihr Kontakt aufnehmen möchte.

Die Hündin war recht „gesprächig“

Zu meiner Freude war Siouxsie recht „gesprächig“ und kontaktfreudig und ich „stellte“ ihr die erste Frage. Dazu „sendete“ ich ihr Bilder, auf denen ihr Frauchen weggeht, alle anderen Familienmitglieder aber bei ihr sind und sie anfängt zu fiepen, jaulen und ganz unruhig hin und her zu laufen.

Sie verstand sogleich meine Frage und ich bekam folgende Antwort: Sie fühlt/sieht sich immer noch als Welpe. Ihr Frauchen sieht sie als ihre Mutter, die ihr hier alles zeigt und erklärt, wie sie sich verhalten soll und wie der Alltag abläuft. Sie kennt das Leben der Menschen hier nicht und für sie ist alles neu.

Wenn ihre engste Bezugsperson das Haus verlässt und sie darf nicht mit, dann bekommt sie panische Angst, allein zurück zu bleiben. Sie hat richtige Existenzangst. Sie befürchtet, aus dem Rudel herausgeschmissen zu werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie noch zu wenig Vertrauen zu den anderen Familienmitgliedern hat. Den erwachsenen Sohn der Familie beschreibt sie als „Jährling“. Der kommt und geht wann er will und macht was er will. Den sieht sie nicht als beständiges Rudelmitglied an. Zum Mann der Familie hat sie nicht genug Vertrauen, um ihre Angst loslassen zu können.

Zur zweiten Frage: Sie sieht den Mann der Familie als Rudelführer an. Die Rudelführer entscheiden, wer aus dem Rudel abwandern muss. Da der Mann sich nicht so viel mit ihr beschäftigt wie ihr Frauchen, hat sie Angst, etwas falsch zu machen. Folglich unterwirft sie sich lieber gleich. Dann kann sie nichts verkehrt machen. Sie versteht den Rudelführer auch nicht. Er „jagt“ den ganzen Tag. Im Hunderudel ist jagen auch wichtig – dann wird gefressen und wenn alle satt sind, dann legen sich alle zum Schlafen hin. Anschließend gibt es eine Zeit für gemeinsames Spielen und für die Körperpflege. Der Rudelführer geht den ganzen Tag auf Jagd und die anderen Tätigkeiten kommen ihrer Meinung nach viel zu selten vor. Siouxsie kennt das anders und sie versteht dies nicht.

Zur dritten Frage: „Ich jage diese Tiere gar nicht. Ich bin geschwind wie der Wind und zum Laufen geboren“. Da das Rudel nur spazieren geht, ist ihr das zu langweilig. Da kommen ihr die Rehe, Hasen und Wildschweine gerade recht. Sie hat dann eine ganz große Freude, ihre Schnelligkeit mit den Wildtieren zu messen.

Die Rufe hört sie in diesen Momenten nicht – oder sie überhört diese im Eifer!

Fazit:

In diesem Fall hat die Tierkommunikation zum Verstehen des Verhalten von Siouxsie deutlich beigetragen. Aufgrund Siouxsies Vergangenheit fühlt sie sich noch wie ein älterer Welpe aber von ihr wunde anfangs mehr erwartet, da sie schon längst kein Welpe mehr ist. Sicherlich benötigen Straßenhunde mehr Geduld als Hunde, die schon im Welpenalter bei Menschen aufwachsen. Straßenhunde müssen die täglichen Situationen und Abläufe erst neu lernen. Zusätzlich kommt die Angst, wieder das Rudel verlassen zu müssen. Bei Siouxsie war dies ganz deutlich zu „hören“. Endlich gehört sie zu einem Rudel und möchte auch alles richtig machen.

Die Familie hat genügend Anregungen bekommen, auf Siouxsie einzugehen. Der Mann nimmt sich nun mehr Zeit und beschäftigt sich mit Siouxsie. Dies hat nach einer Weile Vertrauen geschaffen und zu einer Verhaltensänderung des Hundes geführt. Sie ist nicht mehr so unterwürfig und sie reagiert deutlich weniger mit Stress, wenn ihr Frauchen nicht im Hause ist. Erleichtert war die Familie auch, da Siouxsie nicht wirklich jagen will, sondern nur ihren Bewegungsdrang ausleben möchte. Sie verstehen Ihren Hund und er wird ganz anders akzeptiert als vorher. Allerdings heißt dies nicht, dass Siouxsie nicht mehr hinter Wild herlaufen wird. Da bedarf es anderer Maßnahmen als die Tierkommunikation.

Ihre Tatjana Jensen

Tatjana Jensen

Tatjana Jensen

Sie ist Freitzeitreiterin und Naturpädagogin mit forstwirtschaftlichem Hintergrund und bloggt für Kristallkraft.

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