Tierseuchenkasse – welche Rolle spielt die für Pferde?

Sehr selten stolpern Pferdebesitzer über den Begriff Tierseuchenkasse. In der Regel denkt man bei Tierseuchen an Massentierhaltung oder an intensive Nutztierhaltung aber nicht an Pferdehaltung. Das jedes Pferd bei der Tierseuchenkasse im entsprechenden Bundesland gemeldet sein muss, ist den meisten Pferdebesitzern fremd. Wer sein Pferd in einem Reitstall oder beim Bauern um die Ecke stehen hat, ist nicht direkt in der Pflicht. Meldepflichtig ist in diesem Fall derjenige, in dessen Obhut das Pferd ist. Der Pferdebesitzer sollte sich aber rückversichern, ob dieses tatsächlich geschieht. Pferdebesitzer die ihr Pferd selber versorgen oder bei sich zuhause stehen haben, sind jedoch verpflichtet einmal im Jahr eine Bestandsmeldung an die Tierseuchenkasse zu geben.

Warum diese Meldepflicht für Pferde?

Gemäß des Tiergesundheitsgesetzes sind Pferde „Vieh“ und fallen damit unter die Vorschriften, die den Schutz und die Bekämpfung von Tierseuchen regeln. Dieses gilt auch, wenn die Pferde als Sport- oder Freizeitpferde eingesetzt werden. Zum Glück gibt es heute nur noch sehr wenige meldepflichtige Seuchen. Bei den Pferden fallen folgende Krankheiten unter das Seuchengesetz:

  • Ansteckende Blutarmut der Einhufer oder auch Equine Infektiöse Anämie (EIA) genannt, eine Virusinfektion, die eine fieberhafte Blutarmut hervorruft und mit dem Tod endet. Die Viren werden durch blutsaugende Insekten übertragen.
  • Tollwut, eine Virusinfektion, welche eine Gehirnentzündung nach sich zieht und zum Tode führt. Die Übertragung erfolgt über den Biss eines infizierten Tieres. Tollwut ist eine sogenannte Zoonose, d.h. die Krankheit kann vom Pferd auf den Menschen übertragen werden und umgekehrt
  • Rotz, war früher ein Gewährsmangel und ist eine bakteriell bedingte Erkrankung mit eitrigen Prozessen in den Atemwegen, in der Lunge sowie der Haut. Auch Rotz ist eine Zoonose und verläuft bei Menschen unbehandelt meistens tödlich. Bis auf einen Einzelfall im Jahr 2014 wurde Rotz seit 1956 nicht mehr nachgewiesen.
  • Afrikanische Pferdepest, eine Viruserkrankung, welche durch Blutsaugende Insekten übertragen wird. Sie ist in Afrika verbreitet, aber auch in Spanien, in Portugal und im mittleren Osten gibt es gefährdete Gebiete. Die Pferde entwickeln Fieber, es kommt zu Aborten, Schwellungen, Wasseransammlungen, inneren Blutungen und zu Todesfällen.
  • Beschälseuche, eine ansteckende Geschlechtskrankheit, die durch einzellige Parasiten hervorgerufen wird. Die Krankheit wird durch den Deckakt und durch die künstliche Besamung übertragen und befällt das Nervensystem, der Verlauf kann sich über Monate hin ziehen.
  • Pferdeenzephalomyelitis, eine Gruppe von Viruserkrankungen, welche das Rückenmark und das Gehirn angreifen. Die Viren werden durch stechende Insekten übertragen, eine Ansteckung von Tier zu Tier ist nicht möglich. Sowohl Menschen als auch Pferde und anderer Wirbeltiere erkranken an dieser Zoonose.

In den letzten Jahren sind in Deutschland lediglich Einzelfälle der Equinen Infektiösen Anämie und der Tollwut aufgetreten, sowie der einzelne Fall von Rotz. Aber Krankheiten kennen keine Ländergrenzen und können sich ausbreiten. Pferde werden über den halben Globus transportiert, weil sie verkauft werden oder um auf Turnieren zu starten, da können auch mal Krankheiten mit im Gepäck sein.

Der Horror jedes Pferdebesitzers, wenn das Pferd wegen einer Seuche getötet werden muss.

Der Horror jedes Pferdebesitzers, wenn das Pferd wegen einer Seuche getötet werden muss.

Wird eine der oben genannten Seuchen festgestellt oder besteht ein begründeter Verdacht, erfolgt eine amtliche Tötungsanordnung, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Pferdehalter, deren Pferde bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind, erhalten dann eine Entschädigung von der Tierseuchenkasse. Der Maximale Betrag der pro Tier gezahlt wird, ist in jedem Bundesland individuell geregelt, mehr als 6000,- € gibt es jedoch bei keiner Tierseuchenkasse. Auch wenn viele Rassepferde und viele Sportpferde einen weitaus höheren Wert haben, ist diese Entschädigung der Tierseuchenkasse doch nicht außer Acht zu lassen. Ist ein Pferd an einer Seuche gestorben oder musste schon eingeschläfert werden, bevor die Seuche dem Veterinäramt angezeigt wurde, werden noch 50% der Entschädigung gezahlt.

Weitere Leistungen der Tierseuchenkasse

Auch wenn ein Pferd nicht an einer Seuche stirbt, kommt irgendwann der Tag an dem man Abschied vom geliebten Vierbeiner nehmen muss. Wer sein Pferd zuhause einschläfern lässt, muss anschließend den Tierkörper abholen lassen. Die Kosten für die Abholung und für die Entsorgung werden zum großen Teil von der Tierseuchenkasse übernommen. Lediglich 25% der Beseitigungskosten werden dem Pferdebesitzer in Rechnung gestellt. Die Gebührensätze hierfür sind in jedem Bundesland etwas unterschiedlich, wer es genau wissen will, sollte sich bei seiner zuständigen Tierseuchenkasse schlau machen.

In manchen Fällen beteiligt sich die Tierseuchenkasse auch an Kosten für die Bekämpfung nicht meldepflichtiger Seuchen oder gewährt in einzelnen Fällen Beihilfen für Tierverluste, wenn ein besonderer Härtefall vorliegt. Diese Leistungen betreffen jedoch eher die Halter großer Nutztierbestände und weniger die Pferdehalter.

Beitragshöhe der Tierseuchenkasse

Die jährlichen Beiträge zur Tierseuchenkasse sind überschaubar. Es gibt auch hier in jedem Bundesland eigene Gebührenordnungen, aber meistens liegt der jährliche Beitrag für Pferde bei 1,- bis 5,- € pro Pferd, wobei der Mindestbeitrag meistens bei 10,- € / Jahr liegt. Mit diesem Mindestbeitrag ist dann ein Bestand von ca. 2 – 10 Pferden abgedeckt ist.

Wer also nur ein Pferd hat, zahlt ca. 10,- € im Jahr, wer 2 Pferde meldet zahlt auch ca. 10,- € pro Jahr und wer 3 Pferde hat, zahlt z.B. in Niedersachsen 11,75 € (3,75 € pro Pferd) und in Rheinland-Pfalz 15,- € (5,- € pro Pferd). In Nordrhein-Westfalen zahlen Pferdehalter nur 10,- € für einen Bestand von 1 bis 10 Pferden und für jedes weitere Pferd 1,- €.

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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