Wenn das Pferd alt wird – die letzten Jahre

Leider werden unsere Pferde nicht so alt wie wir Menschen. Hat man viele gemeinsame Jahre mit dem Pferd verbracht, tut es sehr weh mit anzusehen, wie das Pferd alt wird und abbaut. Am Ende steht man dann oft vor der schwersten aller Entscheidungen. Führt das Pferd noch ein lebenswertes Pferdeleben oder sollte ich es lieber erlösen?

Jedem graut vor dieser Entscheidung, stets hat man Angst die falsche Entscheidung zu treffen oder vielleicht zu früh aufzugeben. Aber als langjähriger Pferdebesitzer entwickelt man schon das richtige Gespür und merkt, wenn das eigene Pferd wirklich nicht mehr kann oder nicht mehr will.

Mit dem Alter kamen die Krankheiten bei meinem Pferd

Auch ich habe ein altes Pferd, er ist 21 Jahre alt und begleitet mich nun schon seit 17 Jahren. Als er 4 Jahre alt war, habe ich ihn gekauft und bis er 18 Jahre alt wurde, war er stets gut drauf und ist nur sehr, sehr selten mal krankheitsbedingt ausgefallen. Jedoch am Endes des Winters vor 3 Jahren bekam er plötzlich einen starken, trockenen Husten. Alle tiermedizinischen Präparate halfen nicht, selbst die Cortison Therapie brachte keinen Erfolg. Ich griff schließlich auf eine Hustenkräutermischung zurück und endlich wurde es besser. Zum Glück stand auch die Weidesaison bevor und er konnte 24 Stunden raus auf Wiese. Ab dem Zeitpunkt habe ich die Haltung komplett auf Offenstall umgestellt. Mein Pferd verbrachte nur noch die Silvesternacht in der Box, sonst war er immer draußen und der Husten kein Thema mehr.

Doch das Alter nagte weiter. Als er 20 Jahre alt war, wurde bei der jährlichen Zahnkontrolle festgestellt, dass mein Pferd beginnende EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) hat. Schreitet diese Krankheit weiter fort, kann man dem Pferd nur helfen, wenn die befallenen Zähne gezogen werden. Um den Verlauf zu verlangsamen, empfahl die Tierärztin mir Heilpilze zu füttern. Außerdem habe ich zusätzlich Hagebutten dazu gefüttert, da vermutet wird, dass ein Vitamin C Mangel an der Entstehung von EOTRH beteiligt ist. Der Pferdekörper kann dieses Vitamin eigentlich selber herstellen, aber im Alter lässt diese Fähigkeit nach. Hagenbutten sind da toll geeignet, denn sie sind reich an Vitamin C, günstig zu kaufen, oder selber zu pflücken und man kann sie statt Leckerlie geben.

Noch eine altersbedingte Baustelle bei meinem Pferd

Kein halbes Jahr später kam dann der nächste Schock. Die Pferde sollten geimpft werden. Bei der Gelegenheit habe ich der Tierärztin die Beule unter dem Bauch meines alten Pferdes gezeigt, welche er seit ein paar Wochen hatte. Da die Beule nur linksseitig war, stand gleich die Vermutung einer altersbedingten Herzinsuffizienz im Raum. Die Beule könnte eine Wassereinlagerung sein. Das Abhören des Herzens bestätigte den Verdacht. Das Herz schlägt zu schnell, weil es damit versucht, die verminderte Pumpleistung zu kompensieren. Das Pferd kann damit zwar noch geritten werden, ist aber nicht mehr so belastbar. Nun war mir auch klar, weshalb mein Pferd manchmal etwas kurzatmig war. Da dieses jedoch ein schleichender Prozess ist, fällt es einem als Pferdebesitzer oft erst spät auf. Meine Tierärztin empfahl mir ein pflanzliches Zusatzpräparat, welches ich bei Bedarf zur Unterstützung des Herzens geben sollte.

Mein Pferd entwickelte sich langsam zur Großbaustelle, sein Futter bestand fast nur noch auch Zusatzpräparaten. Doch es ging noch weiter mit den Hiobsbotschaften.

An den vorderen Fesselgelenken sind deutliche Gallen zu sehen.

An den vorderen Fesselgelenken sind deutliche Gallen zu sehen.

Im letzten Winter hatte er dann mit immer wiederkehrenden Lahmheiten zu kämpfen. Mal war er vorne links lahm, mal vorne rechts, manchmal hatte ich das Gefühl er lahmt auf beiden Vorderbeinen. Schon längere Zeit beobachtete ich, dass er an beiden Vorderbeinen Gallen an den Fesselgelenken entwickelte. Auf Anraten der Tierärztin hatte ich dort schon einmal Blutegel angesetzt, was meinem Pferd auch im letzten Jahr sehr gut getan hatte. Also wiederholte ich die Prozedur am Ende dieses Winters, als die Temperaturen wieder in den Plus-Graden waren. Doch dieses Mal blieb der Erfolg aus. Die Lahmheit, vor allem auf dem rechten Vorderbein wurde immer stärker und meine Tierärztin machte schließlich Röntgenbilder von den beiden vorderen Fesselgelenken.

Die Röntgenbilder machten keine Hoffnung auf ein langes Pferdeleben

Die Diagnose war niederschmetternd!
Die Gleichbeine, die auf der Rückseite der Fesselgelenke sitzen, waren stark arthrotisch verändert. In dem Bereich verlaufen jedoch sämtliche Sehen, diese sind durch die ständige Reibung stark gereizt und chronisch entzündet. Eine Chance auf Heilung gibt es nicht. Meine Tierärztin warf die Frage nach der Lebensqualität auf…. doch ich hatte noch nicht das Gefühl, dass mein Pferd sterben wollte. Nach wie vor verteidigte er seine Stute und fraß gut, bettelte nach Leckerlies und wälzte sich genüsslich wie jedes andere Pferd. Wir entschieden uns für eine Schmerztherapie, welche zunächst mit der 2x täglichen Gabe von Phenylbutazon begann. Dieses schlug sehr gut an, mein Pferd konnte schon bald wieder gut laufen. Wenn er im Schritt über die Wiese lief merkte man ihm nichts an. Dieser Wirkstoff ist jedoch nicht für eine langfristige Gabe geeignet. Nach 10 Tagen stellten wir ihn daher um, auf ein Präparat mit dem Wirkstoff Firocoxib, ein nichtsteroidaler Entzündungshemmer, welcher auch schmerzlindernd wirkt.

Nachdem mein Pferd dieses Präparat eine Woche lang bekam, beobachtete ich ihn, wie er mit seinem 5 Jahre jungen Weidekumpel herumtollte, trabte, galoppierte und auch Bocksprünge machte. Ich weiß, der letzte Schritt ist damit nur aufgeschoben, aber ich freue mich, dass ich ihm noch eine schöne Zeit auf der Weide bieten kann. Meine Tierärztin war auch ganz erfreut und informierte mich, dass ich das Firocoxib auch über einen längeren Zeitraum geben kann.

Plattenepithelkarzinom am Schlauch meines Pferdes

Gerade hatten wir mein Pferd gut mit den Schmerzmitteln eingestellt, da bestätigte sich die nächste Verdachtsdiagnose. Schon länger beobachtete ich, dass mein Pferd von einem Juckreiz im Bereich der Schlauchtasche gequält wurde. Nach Rücksprache mit der Tierärztin hatte ich ihm die Schlauchtasche auch schon ein paar Mal mit einer Jodseife gereinigt, außerdem ließ sie mir eine Salbe da, die ich so tief wie möglich in die Schlauchtasche einbrachte. Doch leider brachte die Behandlung nicht viel und der Juckreiz wurde stärker.

Plattenepithelkarzinom am Schlauch des Pferdes

Plattenepithelkarzinom am Schlauch des Pferdes

Ich beobachtete wie mein Pferd sich hinlegte, dann die Vorderbeine aufstellte, so dass er fast saß und dann immer auf dem Bauch hin und her schubberte. Da er dabei immer auf dem rechten Hinterbein lag, war die Haut des Sprunggelenks auf der Seite schon arg lädiert. Als er dann neulich seinen Schlauch ein Stückchen raushängen ließ, bemerkte ich, dass die Haut komisch aussah. Die dunkle Pigmentierung war fast komplett verschwunden und die Hautoberfläche war gerötet und sehr rau. Das sah sonst nicht so aus. Ich machte schnell ein Foto und schickte dieses meiner Tierärztin.

Der Verdacht auf ein Plattenepithelkarzinom (ein bösartiger Hauttumor) bestätigte sich leider, als wir ein paar Tage später unter Sedation den Schlauch genauer untersuchten. Leider ist auch bei dieser Erkrankung die Diagnose sehr schlecht. Bei manchen Pferden bringt eine homöopathische Spritzentherapie einen Erfolg, so dass sich die Tumore wieder etwas zurückbilden oder zumindest nicht weiterwachsen. Ich werde diese Therapie auf jeden Fall ausprobieren, meine Tierärztin wird mir den entsprechenden Behandlungsplan zusammenstellen. Den Juckreiz habe ich durch konsequentes, tägliches säubern und salben z.Zt. gut im Griff.

 

Fazit:
Nun ist er 21 Jahre alt, das ist zwar noch kein biblisches Alter und ich hatte natürlich gehofft, dass er vielleicht die 25 Jahre schafft. Aber er ist auch ein recht schweres Warmblut Pferd.  Da ist die Lebenserwartung leider nicht so hoch wie z.B. bei einem Vollblüter. Ich werde alles tun um ihm die letzte Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten und ihn rechtzeitig gehen lassen, bevor das Leid zu groß wird, auch wenn das ein verdammt schwerer Schritt ist. Mein Pferd wird mir sagen, wann es soweit ist.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

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Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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