Wenn die Decke beim Pferde scheuert, rutscht oder ewig kaputt ist

Wer im Winter sein Pferd eingedeckt hat, kennt das Leid und weiß wie schwer es ist eine vernünftige Decke zu finden die allen Anforderungen entspricht. Die erste Anforderung stellt meistens der eigene Geldbeutel. Zu viel Geld will man ja doch nicht ausgeben, aber ich kann nur jedem den Tipp geben, nicht zum billigsten Exemplar zu greifen. Der Spruch „Wer billig kauft, kauft 2x“ trifft hier nämlich voll zu. Ich habe den Fehler auch mal gemacht und das Resultat war, dass nach dem ersten Waschen die Decke nicht mehr Regendicht war und ich sie weggeschmissen habe.

Hat ein Pferd im Winter die Decke Tag und Nacht auf und geht auch damit raus, ist es wichtig dass die Decke 100% Regendicht ist. Eine Decke die nicht dicht hält und bei Regen wie ein nasser Umschlag auf dem Pferd liegt, schadet mehr als dass sie nützt.

Die Decke muss die richtige Passform und Größe haben

Die Passform muss stimmen, so dass das Pferd sich auch damit wälzen kann, ohne dass die Decke verrutscht und ohne dass das Pferd sich beim Aufstehen darin verfängt. Dafür muss beim Kauf auf die richtige Größe geachtet werden. Eine Outdoor-Decke sollte immer eine Nummer größer gekauft werden, als das Pferd z.B. bei Abschwitzdecken braucht. Kommt man also normalerweise mit einer Rückenlänge von 145 cm aus, sollte die Outdoor-Decke 155 cm lang sein. So ist gewährleistet, dass nicht der halbe Po raus guckt und dass das Pferd genügend Bewegungsfreiheit hat. Eine zu kleine Decke scheuert und geht auch schneller kaputt, wie ich neulich selber erlebt habe. Das Pferd hatte die neue Decke gerade 10 Minuten auf und bei der ersten schnelleren Bewegung ist die Naht an der Gehfalte im Schulterbereich gerissen. Die Decke wurde gegen eine größerer, gleichen Fabrikats getauscht und hält nun.

Die Korrekte Verschnallung der Pferdedecke

Damit die Decke nicht rutscht ist die richtige Verschnallung entscheidend. Der Brustverschluss sollte so verschnallt werden, dass die Deckenkante im Halsbereich vor dem knöchernen Widerrist zum liegen kommt. Ist der Brustausschnitt zu groß, rutscht die Decke nach hinten und scheuert auf dem Widerrist. Dann hilft nur entweder eine andere Decke kaufen, die einen kleineren Brustausschnitt hat, oder aber die Brustverschlüsse versetzen, so dass der Brustausschnitt kleiner wird.

Ist der Brustausschnitt zu klein, passiert dass, was ich oben beschrieben habe, die Decke geht leicht kaputt, außerdem behindert sie das Pferd in seiner Bewegungsfreiheit und scheuert schnell. Manche Deckenhersteller bieten für so einen Fall eine Brusterweiterung an, die einfach vorne dazwischen geschnallt wird. Dieses macht Sinn, wenn die Decke von der Länge her passt, aber im Schulterbereich zu eng ist.

Am Bauch werden die meisten Decken mit 2 Gurten gehalten, die über Kreuz verschlossen werden. Diese Kreuzbegurtung hat sich bewährt und hält die Decke sehr gut an ihrem Platz. Wenn das Pferde gerade und auf allen vieren steht und die Decke gerade drauf liegt, sollten die Gurte so verschnallt werden, dass sie leicht unter Spannung sind. Sind die Bauchgurte zu locker verschnallt, kann das Pferd sich darin verfangen, wenn es z.B. nach dem Wälzen wieder aufsteht.

Damit das hintere Ende der Decke nicht umschlägt, sei es durch den Wind oder durchs Wälzen, braucht die Decke einen Schweifriemen. Alternativ kann man in diesem Bereich auch mit Beinschnüren arbeiten. Diese werden jeweils vor und hinter dem Hinterbein eingehakt und relativ locker verschnallt. Damit diese nicht an den Pferdebeinen scheuern, sollten sie überkreuz eingehakt werden.

Kommen die Pferde bei Wind und Wetter mit der Decke raus, muss diese unbedingt Wasserdicht sein.

Kommen die Pferde bei Wind und Wetter mit der Decke raus, muss diese unbedingt Wasserdicht sein.

Die Decke passt, scheuert aber trotzdem beim Pferd

Gerade im Bereich des Buggelenks zeigen sich bei vielen Pferden im Laufe des Winters Scheuerstellen. Dieses passiert wie gesagt, wenn die Decke im Schulterbereich zu eng ist, manchmal passiert es aber auch bei passenden Decken. Ich achte beim Deckenkauf darauf, dass diese ein glattes Innenfutter haben. Dadurch verringert man das Risiko von Scheuerstellen. Bei einigen Pferden kann es aber auch notwendig sein, einen Unterzieher für den Brust- und Schulterbereich zu verwenden. Dieser ist aus hochelastischem Material, welches eng an Brust und Schulter anliegt. Bewegt sich das Pferd mit der Decke, scheuert diese dann auf dem Unterzieher und nicht auf dem Pferdefell.

Besonders unangenehm sind Scheuerstellen am Widerrist, da das Pferd dann meistens auch nicht geritten werden kann. Beim kleinsten Anzeichen einer Scheuerstelle sollte daher sofort die Verschnallung im Brustbereich korrigiert werden. Die Deckenkante muss unbedingt vor dem Widerrist zum liegen kommen. Abhilfe kann auch das Annähen eines Fells, im besten Fall eines Lammfells, schaffen. Nach dem Nähen muss daran gedacht werden, die Nähte zu versiegeln, damit an der Stelle kein Wasser durchdringt.

Die Decke geht ewig kaputt

Ist die Decke zu locker verschnallt oder aber zu groß, passiert es schnell, dass das Pferd drauf tritt, weil die Decke verrutscht ist. Auch zu kleine Decken gehen schneller kaputt, weil sie ständig unter Spannung stehen.

Ein weiteres tun die anderen Herdenmitglieder. Gerade in Gruppen in denen auch junge Pferde mit dabei sind, wird oft herzhaft gespielt und gerauft. Hier kann ich auch nur raten, eine etwas teurere Decke aus hochwertigem und reißfestem Material zu wählen. Diese übersteht in der Regel auch die stürmischsten Spielereien und Beißereien.

Juckt dem Pferd der Pelz, sucht es sich Bäume, Zaunpfähle o.ä. um sich zu scheuern, oder aber es kratzt sich selbst mit Huf oder Zähnen. Auch dabei kann eine Decke schnell kaputt gehen. Bei einem andauernden Juckreiz sollte schnellsten Ursachenforschung betrieben, woher dieser kommt.

  • Haben sich Dreck und Haare unter der Decke gesammelt
  • Ist die Decke evtl. nicht atmungsaktiv
  • Reagiert das Pferd vielleicht auf das Waschmittel allergisch
  • Treiben Parasiten oder ein Hautpilz ihr Unwesen unter der Decke

Auch wenn die Pferde im Winter unter den Decken schön sauber sind, so sollte das täglich Putzen nicht entfallen. Um Hautirritationen, Juckreiz oder Parasitenbefall vorzubeugen, sollte die Decke täglich abgenommen werden und Pferd und Decke sollten gründlich gebürstet und gereinigt werden.

Fazit

Mir hat vor vielen Jahren eine Stallkollegin den Tipp gegeben, etwas teurere Decken für den Outdoor Einsatz im Winter zu kaufen. Ich muss sagen, ich bin dafür sehr dankbar, denn mein Pferd hat noch nie eine Scheuerstelle gehabt, noch nie haben andere Pferde seine Decke ernsthaft beschädigt und auch Hautproblem gab es unter der Decke bisher noch nicht. Trotzdem versuche ich im Winter die Zeit des Eindeckens so kurz wie möglich zu halten, da ja doch weniger Licht und Luft an den Körper kommt und auch das Wälzen ist mit Decke nur das halbe Vergnügen für das Pferd.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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