Wie alt wird ein Pferd und ab wann ist es „alt“?

Mit einem bereits älteren und erfahrenen Pferd durchs Gelände zu streifen ist sehr toll und entspannend. Es gibt kaum eine Situation die das Pferd noch nicht erlebt hat und als langjähriger Besitzer weiß man genau wann das Pferd wie reagiert. Doch wann ist das Pferd zu alt dafür und wie alt kann es überhaupt werden?

Je nach Rasse ist die Lebenserwartung bei Pferden sehr unterschiedlich. Am ältesten werden Robustrassen und Ponys, hier ist ein Lebensalter von 40 Jahren durchaus möglich. Auch Araber sind sehr langlebig und können steinalt werden, sie gelten jedoch genauso wie andere Vertreter dieser Gruppe als Spätentwickler und sind erst mit ca. 8 Jahren ausgewachsen.

Warmblutpferde hingegen sind mit ca. 5 Jahren ausgewachsen, haben aber auch nur eine Lebenserwartung von ca. 20 bis 25 Jahren. Ein Warmblüter der die 30 erreicht ist schon die große Ausnahme. Die kürzeste Lebenserwartung haben Kaltblutpferde, diese werden selten 20 Jahre alt. Der Durchschnitt liegt bei 16 bis 18 Jahren, dafür sind sie aber auch schon mit 3 bis 4 Jahren ausgewachsen.

Bei älteren Pferden baut die Muskulatur ab und der Rücken senkt sich.

Bei älteren Pferden baut die Muskulatur ab und der Rücken senkt sich.

Bis zu welchem Alter kann ein Pferd geritten werden?

Solange ein Pferd sich noch freudig bewegt, kann es auch geritten werden. Bis zu einem Alter von 18 Jahren sieht man sogar ab und zu noch Warmblüter im Leistungssport. Für einen Spazierritt ist ein Pferd selten zu alt, es sei denn, es hat krankheitsbedingte Einschränkungen. Trotzdem sollte man sich dessen bewusst sein, dass ein Warmblutpferd ab 20 Jahren „alt“ ist. Rechnet man das in Menschenjahre um, entspricht dieses etwa 60 Menschenjahren. Viele Pferde sind mit 20 Jahren noch sehr fit und verraten ihr Alter nur durch leichte äußerliche Veränderungen. So fängt der Rücken langsam an durchzuhängen, die Unterlippe wird noch länger wenn das Pferd döst, die Kulen über den Augen werden tiefer und wie bei uns Menschen werden die grauen Haare immer mehr.

Alte Pferde richtig pflegen

Neben gutem Futter brauchen alte Pferde etwas mehr Aufmerksamkeit und Pflege als ihre jüngeren Artgenossen, denn mit den Jahren werden viele Körperfunktionen schlechter. Rechtzeitig erkannt, kann man aber gegen viele Beschwerden gegensteuern. So brauchen die Senioren so viel freie Bewegung wie irgend möglich, am besten 24 Stunden am Tag, damit die evtl. von Arthrose befallenen Gelenke in Bewegung bleiben und gut geschmiert werden. Auch für den im Alter träge werdenden Stoffwechsel ist regelmäßige Bewegung wichtig und die inneren Organe wie Leber und Nieren entlastet man gut in dem man das Pferd regelmäßig entgiftet. Um Zahnproblemen vorzubeugen, sollten diese mindestens einmal im Jahr kontrolliert werden, denn verliert das alte Pferd erst einmal an Gewicht, weil es schlecht fressen kann, ist dieses oft schwer wieder drauf zu kriegen. Bei manchen Pferden sind die Zähne irgendwann so abgenutzt, dass sie das normale Heu nicht mehr richtig kauen können, dann müssen sie speziell ernährt werden, z.B. mit eingeweichten Heucobs.

Kaltblüter haben leider nicht so eine hohe Lebenserwartung.

Kaltblüter haben leider nicht so eine hohe Lebenserwartung.

Alte Pferde gehören nicht aufs Abstellgleis

Auch wenn ein Pferd mit 20 Jahren nicht mehr so leistungsfähig ist, wie vielleicht mit 12 Jahren, so gehört es doch lang noch nicht aufs Abstellgleis. Im Gegenteil, alte Pferde müssen weiter beweget und gearbeitet werden, so bleibt die Muskulatur erhalten, die Sehen bleiben elastisch und die Gelenke gut geschmiert. Außerdem braucht auch der Kopf des Pferdes Arbeit, so bleibt es mental lange jung und frisch. Selbstverständlich gehört auch ein altes Pferd alle 6 – 8 Wochen dem Hufschmied vorgestellt und auch die regelmäßigen Impfungen sowie die erforderlichen Wurmkuren müssen durchgeführt werden. In der Herde fühlt sich auch ein altes Pferd neben den Youngstern sehr wohl und wird durch diese zur Bewegung und zum Spielen animiert. Erst in einem weit fortgeschrittenen Alter kann es notwendig sein, den Senior aus einer bunt gemischten Gruppe rauszunehmen, weil er z.B. keinen Platz mehr an der Heuraufe bekommt.

Fazit

Mein eigenes Pferd ist jetzt fast 19 Jahre alt und da er ein relativ schwerer Warmblüter ist, gehört er wohl nicht zu den Pferden die steinalt werden. Noch ist er fit, aber ich merke dass die Zipperlein bei ihm zunehmen, wie z.B. Rückenbeschwerden auf Grund eines schon immer vorhandenen Senkrückens oder Husten bedingt durch Allergie. Vielleicht hat er auch schon in dem einen oder anderen Gelenk Arthrose, das weiß ich nicht. Bisher habe ich alles durch gezielte Gymnastizierung, Bewegung und entsprechende Fütterung in den Griff bekommen. Ich reite ihn 4-5 x pro Woche und da ist er immer sehr gehfreudig und benimmt sich eher wie ein 4-jähriger. Seine Haltung habe ich soweit irgend möglich optimiert, so dass er nun auch nicht mehr in einer Box stehen muss, denn stehen ist Gift für alte Pferde. Außerdem entgifte ich ihn regelmäßig, was er mir mit einem sehr guten allgemein Befinden und einem immer glänzenden Fell dankt. Ich hoffe, dass ich so noch ein paar Jahre Freude an ihm habe und wir noch viele gemeinsame Ausritte unternehmen können.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Avatar

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.