Zu dünnes Pferd – was tun?

Bei den Pferden ist es ähnlich wie bei uns Menschen, die einen gucken das Essen nur an und werden dick, die anderen können futtern was sie wollen und nehmen einfach nicht zu. Natürlich ist es zum Teil Veranlagung, aber es kann auch eine krankhafte Ursache haben, wenn ein dünnes Pferd einfach nicht zunehmen will.

Pferde werden nicht vom Kraftfutter dick

Leider ist die Liste der möglichen Ursachen schier unerschöpflich und die meisten Pferdebesitzer versuchen zunächst mit einer erhöhten Kraftfuttergabe gegen zu steuern, doch das ist falsch. Stehen Raufutter und Kraftfutter nicht mehr in einem ausgewogenen Verhältnis, kann die Darmflora kippen. Der Pferdeorganismus ist nicht ausgelegt auf die Verdauung großer Mengen stärkehaltiger Futtermittel. Die Darmbakterien brauchen Cellulose, nur so können sie sich ausreichend vermehren und das Futter kann in seine Bestandteile aufgeschlüsselt und verwertet werden.

Bevor Sie nun in Ihr zu dünnes Pferd immer mehr Kraftfutter und Müsli oder ähnliches rein füttern, kürzen Sie einmal die Kraftfutterration und erhöhen die Raufuttergabe. Je 100 kg Körpergewicht sollte ein Pferd 1,5 kg Heu am Tag bekommen. Das heißt ein Warmblutpferd mit einem durchschnittlichen Gewicht von 650 kg braucht um die 10 kg Heu pro Tag. Die Kraftfuttergabe sollten Sie auf ein Minimum reduzieren und dabei vorzugweise Hafer füttern, dieser wird am besten verdaut und belastet den Magen und den Darm am wenigsten. Erst wenn ein Pferd mehr als 5 Stunden pro Woche intensiv gearbeitet wird, ist überhaupt die Gabe von Kraftfutter nötig.

Die Zähne des Pferdes kontrollieren

Die Verdauung beginnt bereits im Maul des Pferdes. Kann es das Futter nicht vernünftig zerkleinern und einspeicheln, ist auch der weitere Verdauungsprozess nicht optimal. Die Zähne des Pferdes müssen daher regelmäßig kontrolliert werden. Es bilden sich oft scharfe Kanten auf den Backenzähnen, die die Maulschleimhaut beim Kauen reizen und beschädigen. Auch kann sich mal ein Zahn entzünden, weshalb das Pferd nicht mehr richtig kauen mag und sein Futter schlecht gekaut runter schluckt. Einmal im Jahr sollten also die Zähne kontrolliert werden, gegebenenfalls auch öfters, wenn das Pferd akut Probleme hat.

Verwurmungsstatus des Pferdes prüfen

Ist ein Pferd übermäßig von Würmern befallen, kann auch dieses die Ursache für eine schlechte Futterverwertung sein. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt und lassen eine Kotprobe untersuchen. Ist Ihr Pferd stark verwurmt, wird Ihr Tierarzt einen individuellen Entwurmungsplan aufstellen. Nach dem entwurmen sollten Sie unbedingt etwas für die Darmflora Ihres Pferdes tun, denn diese leidet unter den Wurmkuren. Auch hier kann Ihr Tierarzt oder Tierheilpraktiker Ihnen das richtige Mittel empfehlen.

Ungleichgewicht in der Vitalstoffversorgung

Eine weitere Ursache für ein zu dünnes Pferd kann ein Ungleichgewicht im Mineral- und Vitalstoffhaushalt sein. Sowohl ein Mangel, als auch ein Überschuss an Mineralien kann den Stoffwechsel und somit die Futterverwertung stören. Ein Blutbild gibt Aufschluss über den aktuellen Status des Pferdes. Lassen Sie sich dieses Blutbild vom Tierarzt erläutern und besprechen mit ihm, ob eventuell bestimmte Mineralien ergänzt werden müssen. Manche Mineralien stehen in einer Wechselwirkung zueinander und eine Überversorgung mit einem Mineralstoff kann dazu führen, dass ein anderer nicht mehr vom Körper aufgenommen werden kann. Ein Mangel eines bestimmten Minerals muss also nicht zwangsläufig durch ein Supplement ausgeglichen werden, sondern es muss vielleicht das Angebot des entsprechenden Gegenspielers reduziert oder erhöht werden.

In der Regel sind Pferde ohne Arbeitsleistung oder mit nur leichter Arbeitsleistung mit 1,5 kg Heu mittlerer Qualität je 100 kg Körpergewicht, gut versorgt. Ein hochwertiges Mineralfutter rundet die Futterration ab. Bei zu dünnen Pferden, die auch Muskelmasse verloren haben, sollten Sie außerdem auf eine Versorgung mit hochwertigen Aminosäuren achten.

Ein hochwertiges Mineralfutter rundet die Futterration ab

Ein hochwertiges Mineralfutter rundet die Futterration ab.

Stoffwechselprobleme beim dünnen Pferd

Eine gesunde Leber ist der Schlüssel für einen funktionierenden Stoffwechsel beim Pferd. Dieses außerordentlich leistungsfähige Organ hat einen riesigen Aufgabenbereich, so produziert die Leber täglich um die 6 Liter Gallenflüssigkeit, die Basis für ein gutes Gleichgewicht im Darm. Aus den Bausteinen verschiedener Fette, werden Cholesterin und Hormone gebildet. Proteine werden in Muskeleiweiß umgewandelt, außerdem ist die Leber Speicher für eine Vielzahl von Nährstoffen, sowie zentrales Entgiftungsorgan. Ist die Leber überlastet, kann sie ihrer Aufgabe nicht mehr im vollen Umfang nachkommen und der Pferdekörper kann das ihm angebotene Futter nicht mehr optimal verstoffwechseln. Sind im Blutbild die Leberwerte auffällig, liegt oft schon eine schwerere Leberschädigung vor.

Vorzeichen für ein Leberproblem sind häufig Fellveränderungen oder Verfärbungen. Auch Hautprobleme, angelaufene Beine, Gallen und eben Gewichtsverlust können Anzeichen für eine überlastete Leber sein. Um die Leber zu entlasten muss zunächst die Fütterung betrachtet werden, denn wie bereits oben beschrieben, ist weniger manchmal mehr. Zu hohe, eiweißhaltige Kraftfuttergaben belasten die Leber. Achten Sie auf die Qualität des Raufutters. Schimmeliges Heu darf nicht verfüttert werden, denn auch diese Giftstoffe müssen von der Leber abgebaut werden. Vor gewissen Umweltgiften können wir unsere Pferde nicht schützen, weshalb der Stoffwechsel des Pferdes über regelmäßige Unterstützung in Form von Entgiftungskuren dankbar ist.

Weitere Ursachen für ein zu dünnes Pferd

Die Liste der möglichen Ursachen ist wie gesagt schier unendlich, einige Möglichkeiten möchte ich noch aufzählen. So kann der Gewichtsverlust altersbedingt sein, weil bei einem alten Pferd einfach der Stoffwechsel erlahmt. Da Pferde über ihren Stoffwechsel auch ihre Körpertemperatur regulieren, nehmen Pferde mit Stoffwechselproblemen häufig im Winter ab. Der Körper braucht dann einfach mehr Energie um die Temperatur zu halten. Der gestörte Stoffwechsel liefert aber nicht genügend Energie und die Fettdepots werden angezapft. Auch wenn ich es nicht grundsätzlich befürworte Pferde im Winter einzudecken, so kann es bei solchen Pferden durchaus sinnvoll sein.

Magenprobleme beim Pferd – häufig unerkannt

Stress kann ein weiterer Faktor für ein ewig zu dünnes Pferd sein, denn auch Pferden schlägt Stress auf den Magen. Häufig merkt man den Pferden äußerlich nichts an, aber sie fressen ihre Nervosität und ihren Stress nach innen rein. Die Folge sind Magenschleimhautreizungen, denn bei Stress kommt die Verdauung zum Erliegen, die Produktion der Magensäure geht jedoch weiter. Die überschüssige Säure greift auf Dauer die ungeschützte Magenschleimhaut an, das Pferd hat Magenschmerzen und frisst schlecht. Weitere Symptome für Magenprobleme können immer wiederkehrende Koliken sein, unangenehmer Geruch aus dem Maul, übermäßiges Gähnen oder Leerkauen, Leistungsminderung und schlechte Laune. Zieht man einen Tierarzt zu Rate, wird dieser entweder eine Magenspiegelung vornehmen oder aber auf Grund der Symptome eine diagnostische Therapie einleiten. Das heißt das Pferd bekommt einen Magensäurehemmer verordnet. Geht es ihm unter der Behandlung besser, kann man davon ausgehen, dass es ein Magengeschwür oder eine Magenschleimhautreizung war.

Nun ist die Magenspiegelung recht belastend für das Pferd und die medikamentöse Behandlung hat oft nur kurzen Erfolg. Vielen Pferden kann man aber mit speziellen Ergänzungsfuttermitteln helfen, die die Magenschleimhaut mit einer Schutzschicht überziehen und die überschüssige Magensäure neutralisieren. Durch diese Futtermittel wird nicht die Produktion der Magensäure unterbunden, was sehr wichtig ist, denn sonst verläuft die Verdauung nicht optimal. Außerdem tut man dem Magen des Pferdes mit Mash etwas Gutes und natürlich mit viel Raufutter. Das Kraftfutter sollte bei magenkranken Pferden auf ein Minimum reduziert werden oder ganz weggelassen werden. Hat der Magen sich beruhigt und wurden eventuelle Stressfaktoren abgestellt, wird das Pferd schnell wieder Appetit bekommen und sein Normalgewicht erreichen.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Stefanie Schünhoff

Sie ist erfahrene Pferdefrau, Pferdetrainerin mit B-Lizenz sowie Turnierreiterin und bloggt für Kristallkraft.

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