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Blutegelbehandlung bei Pferden – gar nicht ekelig

Blutegelbehandlung bei Pferden – gar nicht ekelig

Alleine bei dem Wort Blutegel fangen viele Menschen bereits an sich zu ekeln. Dabei tut man den kleinen, regenwurmartigen Tierchen Unrecht damit, leisten sie doch medizinisch wertvolle Dienste. Blutegelbehandlung bei Pferden wird häufig bei Arthrosen, Gallen, Sehnenschäden o.ä. eingesetzt. Auch ich habe erstmalig bei meinem 20 Jahren alten Pferd eine Blutegelbehandlung durchgeführt und habe das Gefühl, es hat ihm richtig gut getan.

Schon längere Zeit beobachtete ich bei meinem Pferd, dass sich an den beiden vorderen Fesselgelenken Gallen bildeten. Als die Tierärztin zu jährlichen Impfung da war, fragte ich sie, ob man da was machen müsste und was man machen könnte. Sie betastete die Gallen und stellte fest, dass diese bereits anfingen sich zu verhärten und prognostiziert, dass mein Pferd früher oder später Probleme in Form von Lahmheiten bekommen würde. Die Tierärztin riet mir, man könne es mit Einreibungen oder einem orthopädischen Beschlag versuchen, was ich beides nicht so überzeugend fand, zumal mein Pferd noch nie in seinem Leben Hufeisen hatte. Schließlich kamen wir auf die Blutegeltherapie von der ich auch schon viel Gutes gehört hatte und die meine Tierärztin mir auch wärmstens ans Herz legte. Das Problem war nur, meine Tierärztin führt so eine Therapie nicht mehr durch, weil es sehr zeitaufwendig ist. Ich fragte sie, ob sie mir andere Therapeuten empfehlen kann, die so etwas machen, aber Fehlanzeige. Die beiden Therapeuten in der Umgebung, die früher Blutegelbehandlungen gemacht haben, machten es beide aus besagten Zeitgründen nicht mehr.

Die Blutegelbehandlung bei Pferden vorbereiten

Die letzte Option war es selber zu machen. Ich ließ mir alles genau von meiner Tierärztin erklären und entschloss mich schließlich es zu versuchen. Im Internet machte ich mich schlau, wo ich Blutegel herbekommen könnte, fragte aber auch in der örtlichen Apotheke nach. Schließlich entschied ich mich, die Egel über die Apotheke zu bestellen, dort konnte mir dann auch genau sagen, wann die Egel eintreffen. Schließlich dürfen die Tierchen maximal 3 Tage in ihrer Transportverpackung bleiben und es durfte auch gerade nicht zu kalt sein, weil die wechselwarmen Blutegel sonst nicht beißen.

Pro Gelenk sollte ich 3 Blutegel rundherum ansetzen, ich bestellte also 6 Egel. Als die da waren, holte ich mein Pferd in den Stall und band ihn in der Stallgasse an. Alle Türen wurden geschlossen, damit es möglichst warm war, denn im Winter ist es sonst wie gesagt schwierig die Egel zum Beißen zu bringen. Nun folgte das rasieren der Stellen, an denen ich die Egel ansetzten wollte. Mangels richtigem Handwerkszeug erwies sich das als sehr schwierig, denn mein Pferd legt sich im Winter immer einen ordentlich dicken Pelz zu. Die Einwegrasierer brachten keinen Erfolg und auch der Ladyshave wurde mit dem Fell nicht fertig. Erst der Nassrasierer meines Freundes förderte die blanke Haut zu Tage (mein Freud war nicht so begeistert). Die Tierärztin riet mir, so weit runter zu rasieren, bis die Haut leicht blutete, dann würde es am besten klappen. Das mochte ich allerdings nicht so gerne machen und habe lediglich die 6 Stellen ganz glatt rasiert.

Ein Blutegel nach dem anderen setzte ich an die rasierten Stellen.

Ein Blutegel nach dem anderen setzte ich an die rasierten Stellen.

Die Blutegel am vorbereiteten Pferdebein ansetzen

Nun kam der spannende Moment und ich setzte den ersten Blutegel an. Mittels einer an der Spitze aufgeschnittenen Spritze hielt ich den Blutegel an die rasierte Stelle und, tatsächlich, schon nach einem kurzen Moment saß er am Bein. Etwas zu voreilig holte ich den zweiten Egel, in der Zwischenzeit war der Erste wieder vom Bein abgefallen… So ein Mist! Er hatte sich zwar kurz festgesogen, aber noch nicht gebissen. Ich setzte ihn also wieder an und kurz danach schien er auch gebissen zu haben, denn mein Pferd zuckte kurz. Da wir ihm aber das andere Vorderbein hochhielten, hat er nur gezuckt und nicht gezappelt. Sonst wäre der Egel wahrscheinlich wieder abgefallen.

Ich setzte nun ein Blutegel nach dem anderen an und wartet immer mit dem nächsten so lange, bis ich das Gefühl hatte, dass der Egel auch richtig sitzt. Nach dem zweiten Egel hat mein Pferd auch nicht mehr gezuckt und den Biss klaglos akzeptiert. Lediglich der sechste und somit letzte Blutegel wollte partout nicht am Bein meines Pferdes bleiben. Immer wieder fiel er ab und wahrscheinlich war er auch schon zu kalt geworden. Nach etlichen Versuchen gab ich auf. Zum Glück war es das Bein, dass weniger schlimm durch die Gallen betroffen war, vielleicht waren die 2 Blutegel ausreichend. Außerdem hatte meine Tierärztin gesagt, ich sollte die Prozedur nach 14 Tagen noch einmal wiederholen, vielleicht kriege ich ja dann 3 Blutegel an das Gelenk.

Während ich noch mit dem letzten Blutegel hantierte, fielen die ersten schon dick und vollgesogen wieder ab. Ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde dauerte der Saugvorgang. Auf keinen Fall darf man die Egel mit Gewalt abnehmen, sie müssen von alleine abfallen. Die Bisswunden bluten noch viele Stunden nach, was eine reinigende Wirkung hat.

Blutegelbehandlung bei Pferden – Wirkung auf den Organismus

Meinem Pferd hat die Blutegelbehandlung sehr gut getan. Die folgenden Tage hatte ich das Gefühl er blühte regelrecht auf. Sein Blick war wacher und fröhlicher und er trat wieder richtig beherzt auf. Die Gallen waren zwar nicht weg, ab insgesamt schienen mir die Beine dünner zu sein. Was genaue der Biss der Blutegel bewirkt, wird wohl noch immer erforscht. Auf jeden Fall ist es der Speichel der kleinen Tiere, der einem Medikamentencocktail gleich wirkt. Viele heilungsfördernde Stoffe sind in dem Speichel enthalten, unter anderem schmerzlindernde und entzündungshemmende Substanzen.

Nach 14 Tagen wiederholte ich die Behandlung. Das Fell war zum Glück noch nicht nachgewachsen, so dass ich die Stellen nur noch einmal leicht nachrasierte. Obwohl es um die 0 Grad waren, bissen die Egel erstaunlich gut, der Saugvorgang dauerte jedoch deutlich länger. Ich glaube der letzte ist erst nach 1 ½ Stunden abgefallen. Wie beim letzten Mal hat wieder einer von den 6 Blutegeln nicht gebissen und wieder wurde die Stelle an der Innenseite des rechten Vorderbeines verweigert, wie vor 2 Wochen schon einmal. Komisch, vielleicht brauchte mein Pferd an der Stelle keine Blutegelbehandlung. Am nächsten Tag startete ich einen letzten Versuch mit diesem Egel, aber am linken Vorderbein, welches stärker von den Gallen betroffen war, und dort biss er sich auch relativ schnell fest.

Wohin mit den Egeln nach der Behandlung

Nach der Blutegelbehandlung kommt der unangenehme Teil. Wohin nun mit den Blutegeln? Auf dem Beipackzettel steht, man soll sie töten. Ein Aussetzten in der Natur ist nicht statthaft. Ich entschloss mich also, schweren Herzens, die Blutegel wie empfohlen einzufrieren. Allerdings könnte man sich überlegen, wenn man regelmäßig Blutegel für sein Pferd benötigt, diese in einem Glas mit Mineralwasser (ohne Sprudel) aufzubewahren. Nach ca. 6 Monaten haben die Egel wieder Hunger und beißen wieder. Außerdem können Blutegel sehr alt werden, irgendwo hatte ich etwas von 30 Jahren gelesen. Man darf die Egel, wegen der Infektionsgefahr, dann allerdings nur für ein und dasselbe Pferd wiederverwenden, nicht für ein anderes Tier. Außerdem bedürfen sie regelmäßiger Pflege, d.h. das Wasser muss alle 2 Tage gewechselt werden, sie brauchen einen Stein in dem Gefäß, um ihre alte Schleimhülle abstreifen zu können und das Haltungsgefäß muss regelmäßig desinfiziert werden.

Fazit

Die Blutegelbehandlung hat meinem Pferd super gut getan und ich würde es jeder Zeit wiederholen. Allerdings sollte niemand das auf eigene Faust machen, sondern sich vorher eingehend vom Tierarzt oder Therapeuten beraten lassen. Schließlich ist es auch wichtig, wo genau die Egel angesetzt werden und wie oft die Therapie wiederholt wird.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

Kommentare:

  1. AvatarChristian Kienel

    Sehr schöner Bericht!
    Möchte das bei meinem Pferd als letzte Hoffnung auch machen. Mein Vollblüter hat eine schwere Entzündung im Vorderfußwurzelgelenk und nicht’s was der Tierarzt gemacht hat hilft ihm oder wenn nur kurz.
    Gruß Christian Kienel aus Schweigen

    Antworten

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