Kreuzverschlag beim Pferd – Muskelverspannungen, die sehr gefährlich werden können…

Kreuzverschlag beim Pferd – Muskelverspannungen, die sehr gefährlich werden können…

3. März 2021
Lesezeit:3 Minuten

Sprechen wir vom Kreuzverschlag beim Pferd denken die meisten an die sogenannte Feiertagskrankheit. Nach einem oder mehreren Stehtagen tritt die Muskelerkrankung meist zu Beginn der Belastung des Pferdes auf. Aber auch Pferde die im Training überanstrengt werden oder zu gehaltvoll gefüttert aber nur unregelmäßig gearbeitet werden, kann es treffen. Der Muskelstoffwechsel entgleist und Muskelzellen zerfallen. Die Zerfallsprodukte werden über die Nieren ausgeschieden, weshalb sich der Urin dunkel verfärbt und die Krankheit auch Nierenverschlag genannt wird. Ist der Muskelzerfall zu groß, verstopfen die Nieren regelrecht und es droht ein lebensbedrohliches Nierenversagen. Die Muskulatur des Pferdes wird bei einem Kreuzverschlag geschädigt, je nach schwere der Erkrankung kann es lange dauern, bis die Muskeln sich wieder regeneriert haben. Pferde die einmal Kreuzverschlag hatten, bleiben in der Regel Anfällig dafür.

Neben diesem sporadisch akuten Kreuzverschlag (SER), gibt es aber auch noch chronische Formen, deren Ursprung in Stoffwechselerkrankungen verankert sind.

Der Wiederkehrende belastungsbedingte Verschlag (Reccurent Exertionel Rhabdomyolysis, kurz RER) ist eine vererbbare Erkrankung und betrifft meistens Vollblüter, tritt aber auch bei anderen Rassen auf. Betroffen sind meistens die sehr nervösen und aufgedrehten Pferde. Selbst wenn beim Training und bei der Fütterung alles richtig gemacht wird, langt oft schon die kleinste Muskelaktivität und der Verschlag wird ausgelöst. Der Verlauf ist ganz anders als bei dem akuten Kreuzverschlag, weshalb die Erkrankung nicht immer erkannt wird. Die Pferde sind einfach etwas steifer als andere, schwitzen mehr und sind nicht so leistungsfähig.

Eine weitere Erkrankung die zum Verschlag führt ist eine Kohlenhydratspeicherkrankheit (Polysaccharid Storage Myopathie – kurz PSSM). Diese Stoffwechselstörung ist ebenfalls vererblich und betrifft oft Quarter Horses, Kaltblüter aber auch Warmblüter und Ponys. Betroffene Pferde sind meistens bewegungsunlustig, antriebslos und steif. Da es ein Dauerzustand ist, ist schwer zu erkennen, ob das Pferd einfach so ein Phlegma hat oder ob es krank ist.

Wie zeigt sich ein akuter Kreuzverschlag beim Pferd?

Die Pferde zeigen je nach Schwere der Muskelschädigung unterschiedliche Symptome. Bei leichten Formen ist das Pferd unwillig zur Bewegung und hat eine verspannte Muskulatur vor allem im Rückenbereich. Es schwitzt zudem stark, geht steif und drückt den Rücken weg. Typisch ist auch eine sägebockartige Stellung, das heißt das Pferd stellt die Vorderbeine nach vorne und die Hinterbeine nach hinten heraus um eine Entlastung für die schmerzenden Muskeln zu schaffen.

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Ist der Kreuzverschlag stärker ausgeprägt, können die Pferde ihre Beine nicht richtig bewegen, setzen dunkel verfärbten Urin ab und zeigen Kolik-Anzeichen. Die Temperatur ist, durch das vermehrte Schwitzen, den beschleunigte Atmen und den schnelleren Puls, erhöht.

Es kann bei sehr schweren Fällen vorkommen, dass die Pferde festliegen oder aber die Nieren versagen und die Pferde an dem Kreuzverschlag versterben. Deshalb sollten Sie solche Anzeichen sehr ernst nehmen und umgehend handeln.

Bei den chronischen Formen des Verschlags ist die Symptomatik nicht so eindeutig, da die Krankheit schleichend verläuft. Wird sie nicht erkannt, wird die Muskulatur von Mal zu Mal mehr geschädigt. Ist der Verschlag dann deutlich zu erkennen, kann bereits ein lebensgefährlicher Zustand erreicht sein.

Wie wird ein Kreuzverschlag behandelt?

Weist Ihr Pferd Symptome für einen akuten Kreuzverschlag auf, sollten Sie es nicht mehr bewegen. Jede weitere Bewegung kann die Schädigung stark verschlimmern. Sind Sie im Gelände unterwegs, ist es notwendig das Pferd in den Stall zu transportieren. Rufen Sie umgehend einen Tierarzt. Das Pferd wird mit Entzündungshemmenden- und Durchblutungsfördernden-Medikamenten behandelt. Um die Nieren zu spülen und Nierenschäden abzuwenden bekommt das Pferd per Infusion sehr viel Flüssigkeit. Während der Rekonvaleszenz ist Wärme gut für die geschädigte Muskulatur.

So beugen Sie einem Kreuzverschlag bei Ihrem Pferd vor:

Es gibt einige Faktoren, die einen akuten Kreuzverschlag, auch Belastungsmyopathie genannt, begünstigen und im Vorfeld vermieden werden können. Als vorbeugende Maßnahmen sollten Stehtage im Stall, sehr energiereiches Futter (Kraftfutter) und kurze Aufwärmphasen vor der Belastung vermieden werden.

Bieten Sie Ihrem Pferd möglichst viel Bewegungsfreiraum und Auslauf und füttern Sie es lieber mit Raufutter als mit zu viel Kraftfutter. Arbeitet das Pferd nicht, kann das energiereiche Kraftfutter ganz weggelassen werden.

Bei den chronischen Formen müssen Sie die Fütterung und das Training dauerhaft auf die Stoffwechselkrankheit Ihres Pferdes ausgerichten. Das heißt die Fütterung so zu gestalten, dass das Pferd möglichst wenig Zucker und frei verfügbare Kohlenhydrate aufnimmt. Alternativ können Sie den Energiebedarf mit Fett oder Öl abdecken. Auf dem Futtermittelmarkt gibt es entsprechende Futter die mit Fett angereichert sind oder aber man gewöhnt das Pferd langsam an einen Schuss Speiseöl in seinem Futter. Wer so ein krankes Pferd hat, sollte sich auf jeden Fall vom Tierarzt beraten lassen, wie der Speiseplan für den 4-Beiner am besten zu gestalten ist.

Das Training sollte bei RER- und PSSM-Pferden immer möglichst gleichmäßig sein. Pausen oder Stehtage sind Gift für solche Pferde. Auch eine gründliche Aufwärmphase ist unerlässlich. Das Beste für solche Pferde ist, wenn sie ständig in Bewegung bleiben und in einem Aktivstall oder Offenstall leben können.

 

Ihre Stefanie Schünhoff

 

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