Harmonische Herde

Wie kann man die Eingliederung eines neuen Pferdes gestalten?

4. Februar 2021
Lesezeit:6 Minuten

Die Eingliederung eines neuen Pferdes ist immer wieder spannend. Wie reagiert die Herde? Wie verhält sich das neue Pferd?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Eingliederung zu gestalten.

Möglichkeiten der Eingliederung eines Pferdes

 

  • Das Pferd wird sofort in eine bestehende Herde gestellt.

Hierbei ist es erforderlich, dass die Pferde genügend Platz haben, um sich aus dem Weg gehen zu können. Nur so können Verletzungen vermieden oder das Risiko hierfür minimiert werden.

 

  • Das Pferd steht zunächst neben der Herde.

Das neue Pferd wird zunächst auf die Weide oder den Paddock neben die bestehende Herde gestellt. So können sich alle Herdenmitglieder über den Zaun kennenlernen. Der Neuankömmling kann sich in der neuen Stallsituation einfinden und sich alles in Ruhe ansehen, ohne von den anderen gestresst zu werden.

1. Begrüßung
1. Kontaktaufnahme über den Zaun

Ein Vorteil hierbei ist, dass gut beobachtet werden kann, wie die Herde auf das neue Pferd reagiert oder wie sich dieses verhält.

Ein Nachteil ist, dass für dieses eine Pferd eine Extrafläche bereitgestellt werden muss inklusive Zugang zu Wasser, Unterstand und Futter.

 

Nach der ersten Gewöhnung an die neue Stallsituation und Umgebung kann wiederum auf verschiedene Weise verfahren werden.

Auch hiernach kann man den Neuling in die komplette Herde integrieren oder einzelne Herdenmitglieder zunächst zu dem neuen Pferd stellen.  So muss es sich nur mit jeweils einem Herdenmitglied auseinandersetzen und noch nicht mit der ganzen Herde.

 

 

 

Die Probleme der Eingliederung in meine Herde

 

Ich stehe auch ab und zu vor der Entscheidung, welche Vorgehensweise die Richtige ist.

Ich habe einen eigenen kleinen Offenstall und besitze 2 Stuten (Conchita (14j.) und Goldi(24j.))  und einen Wallach. Es hat sich über mehrere Eingliederungen leider herausgestellt, dass der junge Wallach Amir (4 Jahre und mitten in der Pubertät) „seine“ Mädels gegen Eindringlinge in die Herde verteidigt. Dabei wird er imposant und eindringlich. Ist keine Stute in der Nähe, ist er oft nur interessiert und freundlich zu neuen Pferden.  Es ist also jedes Mal schwierig, den richtigen Weg zu finden.

Bei der letzten Eingliederung bin ich bewusst einen etwas anderen Weg gegangen. Dieses Mal bat ich meine Kollegin Frau Jensen mit Amir eine Tierkommunikation zu machen. Amir sollte darauf vorbereitet werden, dass ein neues Herdenmitglied kommt.

 

Wie lief die Kommunikation mit Amir ab?

 

Tatjana Jensen: “Von meiner Kollegin Katrin bat ich um ein aktuelles Foto von Amir. Sie hatte mir vorab von dem neuen Herdenzugang erzählt und mir die bislang gezeigten Verhaltensweisen von Amir beschrieben. Zusätzlich bat ich um eine kurze Beschreibung des einzugliedernden Wallachs “Schoko” Nach diesen Informationen nahm ich über das Foto Kontakt mit Amir auf. Ich erklärte ihm, dass ein neuer Wallach  in den nächsten Tagen mit in die bestehende Herde kommen und bleiben wird. Dazu visualisierte ich den dunkelbraunen Traberwallach,  schickte Amir das “Bild” und teilte ihm mit, dass dieser Wallach sein neuer Freund werden könnte.

Amir wünschte sich einen Kumpel

Amir teilte mir mit, dass er sich über einen Spielkameraden freuen würde. “Seine” Stuten sind nicht so spielfreudig, wie er es sich wünscht und ihm fehle tatsächlich ein richtiger Kumpel. Er teilte mir auch mit, dass er einen Freund “auf Augenhöhe” braucht. Damit meinte er, dass der neue Wallach sich nicht alles von ihm (Amir) gefallen lassen sollte. Er braucht einen Gegenpart, der sich nicht alles gefallen lässt und ihm auch Gegenwehr bietet. Wenn der “Neue” sich alles gefallen lassen würde, dann wird Amir ihn immer schicken und ihm gegenüber ständig seine Überlegenheit zeigen wollen. Er wünscht sich aber einen Freund, an dem er sich auch orientieren kann, da er sich manchmal im Umgang mit den Stuten überfordert fühlt und zu viel Verantwortung übernimmt. In dieser Hinsicht braucht er Unterstützung.

Ich fragte ihn, wie er sich denn verhalten würde, wenn sich sein “neuer” Freund wehren wird – und schickte ihm ein Bild von einem Braunen, der nicht weicht, wenn Amir ihm drohen sollte. Amir erklärte, dass er den “Neuen” in jedem Fall testen wird. Wenn der nicht weichen sollte, dann wird er es nicht auf eine körperliche Auseinandersetzung anlegen, sondern nachgeben. Da ich eine wage Beschreibung des Charakters von “Schoko” von meiner Kollegin erhalten hatte, kündigte ich Amir an, dass er wohl bei diesem Wallach mit einer Gegenwehr rechnen müsse – und wenn er sich wirklich einen Freund wünscht, es mit seinen Drohgebärden nicht übertreiben sollte. Im Anschluss berichtete ich meiner Kollegin über den Gesprächsverlauf und teilte ihr mit, dass ich ein gutes Gefühl für die bevorstehende Eingliederung empfangen habe und wünschte ihr gutes Gelingen.”

 

Wie lief die Eingliederung dieses Mal ab?

 

Dieses Mal war irgendwie alles anders…

1. Tag:

Ich holte Schoko (den neuen Wallach) mit seinen Besitzerinnen an einem Freitag aus dem alten Stall ab. Nach kurzer Fahrt stieg er bei mir am Stall aus.

Zunächst wurde er neben die bestehende Herde gestellt. Alle Pferde guckten interessiert über den Zaun. Amir, der sonst auch bereits über den Zaun aggressiv gegen andere Pferde war, schaute auch nur gespannt zu Schoko.

2. Tag:

Am folgenden Tag gingen wir mit beiden Wallachen spazieren, damit sie sich etwas beschnuppern konnten. Wie sonst auch, war Amir sehr freundlich zu Schoko, dieser ignorierte ihn jedoch ein wenig.

Ich beschloss, beide nach dem Spaziergang zusammen auf einen Teil des Offenstalles zu stellen. Zunächst sah es sehr entspannt aus. Beide Pferde beschnupperten sich kurz und gingen zusammen zum Heu fressen. 5 Minuten später fing jedoch Amir an, auszutesten, in wie weit man Schoko schicken kann und wer so der Boss ist. Auch durfte Schoko nicht mehr zu den Stuten an den Zaun. Doch Schoko ließ sich nie weit vertreiben und blieb hartnäckig stehen oder drehte sich zur Seite, wenn Amir ihn attackierte. Nach kurzer Zeit hatte Amir keine Lust mehr und es wurde friedlich.

Schoko und Amir am Heu fressen
Amir und Schoko können zusammen Heu fressen. Gerade sind die Stuten uninteressant.

4. Tag:

Nach weiteren 2 Tagen machte ich alle Tore auf, so dass der komplette Trail für alle offen war. Auch hier zeigte sich Schoko nur interessiert an der Umgebung. Die Stuten waren ihm egal. Heu fressen an der Raufe war wichtiger. Die Stuten interessierten sich zunächst auch nicht so wirklich für den Neuankömmling und untersuchten den Teil des Trails, den sie die letzten 2 Tage nicht benutzen konnten.

Mit den Damen gab es noch weniger Probleme. Lediglich mit Conchita gab es leichte Auseinandersetzungen an der Heuraufe, da Schoko nicht sofort Platz gemacht hat, sondern erst diskutieren musste, wer höher in der Rangordnung ist. Aber auch dies lief ohne größere Unruhe ab.

6.Tag:

Bereits ab dem 2. Tag fraßen zumindest Schoko, Goldi und Amir zusammen an der Raufe. Conchita bestand immer noch darauf, dass er sich erst unterordnen muss, bevor er mit fressen darf. Es wurde zu der Zeit noch eine 2. Futterstelle bestückt.

Pferde an der Raufe
3 von 4 Pferden konnten schnell zusammen an der Raufe fressen. Eingliederung fast geschafft.

Aber auch das lies nach 2 weiteren Tagen nach.

Die ganze Integration zog sich nur 1 Woche hin. Danach war es, als ob Schoko schon immer in der Herde gestanden hat.

 

Fazit:

 

Diese Eingliederung mit Hilfe der Tierkommunikation lief so unkompliziert. Manchmal lohnt es sich, andere Wege zu probieren.

Ihre Kartin Bachmann

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