Angst vor dem Pferd beim Reiten

Wenn die Angst mitreitet - Angst vor dem eigenen Pferd

Wie ich ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu meinem Pferd entwickle oder wieder zurückgewinne

Reiter sprechen lieber von ihren Abenteuern oder ihren Erfolgen mit Pferden statt über das Thema Angst. Besonders, wenn es sich um das eigene Pferd handelt. Dabei ist Angst ein natürlicher Schutzmechanismus, um uns vor Gefahren zu warnen und vor Schaden zu bewahren. Wichtig ist es zu erkennen, woher meine Angst kommt und wie ich mit ihr umgehe, damit ich ein vertrauensvolles Verhältnis zu meinem Pferd entwickle oder wieder zurückgewinne, um entspannt reiten zu können.

Ich bin diesem Thema selbst schon begegnet. Mit meiner Traberstute Jakira verbindet mich seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Partnerschaft. Wir reiten regelmäßig im Gelände aus und erkunden die Natur. Auf einem unserer Ausritte stolperte sie, ich verlor das Gleichgewicht und flog in hohem Bogen aus dem Sattel. Leider entglitten mir auch die Zügel und meine Stute rauschte davon, für mich uneinholbar. Wir hatten beide Glück im Unglück – ich überstand das Ganze mit einigen Prellungen und Jakira landete in einem nahegelegenen Stall, wo sie sich von den Betreibern nehmen ließ und in einer Box auf mich wartete. Wir ritten noch nach Hause, da ich den Tag unbedingt mit einem positiven Gefühl beenden wollte, aber abends setzten dann die Schmerzen ein und es dauerte dann doch ein paar Wochen, bis ich mich körperlich wieder richtig fit fühlte.

Was aber nicht so schnell heilte, war die seelische Seite der Medaille. Ich spürte innerlich eine Blockade beim Gedanken ans Reiten. Jedes Mal, wenn eigentlich ideale Voraussetzungen für einen Ausritt bestanden und ich früher sofort mein Pferd gesattelt hätte, stoppte mich ein innerer Impuls. Ich hatte auf einmal Angst davor, mit meinem eigenen Pferd zu reiten! Da ich mich sehr viel mit inneren Prozessen beschäftigt habe, weiß ich, dass es sinnlos ist, solche Gefühle zu ignorieren, denn dann kommen Sie umso stärker zurück. Ich beschloss also, mir Zeit zu nehmen, um das Vertrauen in mich und mein Pferd wieder zurückzugewinnen. Der Prozess verlief in mehreren Schritten, die ich Ihnen gerne weitergeben möchte.

Erst mal nicht auf‘s Pferd!

Um die Angst loslassen zu können, ist es gut, vorerst auf das Reiten zu verzichten. Ich ging anstatt dessen erst einmal mit Jakira spazieren. Ich nahm mir viel Zeit für die Körperpflege, massierte sie, sprach mit ihr, bevor wir uns auf den Weg machten. Ich nahm sie mit zum Kräuter und Pilze sammeln. Wir genossen die gemeinsame Zeit und bauten Nähe von einer neuen Qualität auf.

Reitunterricht

Ich beschloss, meine reiterlichen Fähigkeiten zu verbessern und nahm Reitunterricht. Es gibt mittlerweile viele Angebote für Erwachsenenreitunterricht, wo gezielt auf die Bedürfnisse erwachsener Reiter eingegangen wird. Durch das Reiten fremder Pferde wurde ich viel sicherer in meiner Hilfengebung und lernte die Sprache der Pferde besser verstehen. Auch meinen Sitz konnte ich durch den ständigen Wechsel von Pferden deutlich verbessern.

Bodenarbeit

Bodenarbeit ist ein wunderbares Instrument, um dem eigenen Pferd näher zu kommen und seine Bewegungen zu begreifen. Pferde sind von ihrem Körper her eigentlich gar nicht dafür gebaut, einen Reiter zu tragen. Mit Übungen vom Boden aus können Sie Ihr Pferd hervorragend gymnastizieren und auf das Reiten vorbereiten. Es stärkt gleichzeitig die gegenseitige Beziehung. Eine Freundin zeigte mir die Grundlagen und mit ein paar Hilfsmitteln wie Stangengassen und Pylonen wurde das Longieren eine wunderbare Möglichkeit für eine gemeinsame Arbeit ohne Sattel. Um die Voraussetzungen zu erleichtern, gab ich Jakira in dieser Zeit unser Kristallkraft Coolly, so war sie insgesamt viel entspannter und aufgeschlossener, die neue Arbeit anzugehen.

Coaching

Über eine Empfehlung kam ich zu einer ganz besonderen Horsemanship-Trainerin, Ina Ruschinski. Sie gab einen Kurs zum Thema „Achtsam Reiten in Verbindung mit dem Pferd“ und „Mensch & Pferd & Angst“. Jeder Teilnehmer kam mit dem eigenen Pferd und lernte einige neue Bodenübungen. Wir setzten uns ohne Sattel auf unser Pferd und wurden mit geschlossenen Augen geführt. Eine tolle Vertrauensübung! Ich lernte wie sehr Pferde ihre Menschen spiegeln und wie wichtig es ist, zuerst am eigenen Selbstvertrauen zu arbeiten, um das Vertrauen des Pferdes gewinnen zu können. Sie hat auch ein ausgezeichnetes Buch geschrieben, welches ich allen Pferdemenschen wärmstens empfehle: Dein Pferd - Spiegel deiner Seele

Den richtigen Zeitpunkt abwarten

Nach einem halben Jahr war es dann soweit, ich spürte den tiefen Wunsch, wieder in den Sattel zu steigen und mit Jakira auszureiten. Es war ein klarer Wunsch verbunden mit einem Gefühl der Sicherheit, unter neuen Voraussetzungen zu reiten. Ich hatte auch gemerkt, dass ich durch den Reitunterricht, den Umgang mit Pferden und das Longieren insgesamt viel sicherer geworden war. Mein Auftreten gegenüber Pferden hatte sich gestärkt, was ich daran merkte, wie Pferde insgesamt auf mich reagierten, die eigenen sowie die fremden. Ich strahlte ganz offensichtlich Sicherheit aus. Beim ersten Aufsteigen nach dieser langen Pause blieb meine Stute stehen wie ein Buddha und wir ritten ins Gelände als wäre nie etwas passiert. Es war herrlich, in mir regte sich keine Angst und der Reitunterricht hatte sich gelohnt. Ich fühlte mich sicher im Sattel und alles was ich tat, geschah mit einer neuen Bewusstheit und Dankbarkeit.

Und noch etwas hat sich verändert: Als ich kürzlich wieder mal Bekanntschaft mit dem Boden bei einem Ausritt machte, blieb Jakira stehen und ließ sich ganz ruhig nehmen, nachdem ich wieder aufgestanden war. :-)

Wenn das Pferd gefährlich für den Menschen wird

Was ich hier beschrieben habe, ist etwas, was sicher schon ganz vielen von Ihnen passiert ist und sich auch mit reletiv einfachen Maßnahmen lösen lässt. Es gibt aber auch Fälle, wo die Beziehung zwischen Pferd und Mensch grundlegend gestört ist, oder wo Pferde Menschen richtig gefährlich werden können. In solchen Fällen ist es unbedingt erforderlich, professionelle Hilfe zu suchen. Wenn Pferde ihren Menschen angreifen oder es am notwendigen Respekt fehlen lassen, kann nur ein ausgebildeter Pferdetrainer helfen. Auch die Trennung von dem Pferd kann am Ende die richtige Lösung sein, denn so bekommt das Pferd die Chance, zu einem Menschen zu kommen, der ihm gewachsen ist und der Mensch kann ein Pferd finden, das zu ihm passt.

Fazit:

Angst vor dem eigenen Pferd ist kein Zeichen von Versagen. Es gibt gute und nachhaltige Möglichkeiten der eigenen Angst zu begegnen und sie aufzulösen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich wieder sicher zu fühlen. Bleiben Sie nicht allein mit Ihrer Angst, sprechen Sie darüber und suchen Sie sich Unterstützung. Arbeiten Sie an Sich und an Ihrem Pferd. Steigen Sie erst dann wieder in den Sattel, wenn Sie sich wirklich sicher fühlen. Mit Kristallkraft Coolly können sie Ihr Pferd von Fütterungsseite effektiv unterstützen. Wenn Sie nicht alleine weiterkommen, holen Sie sich einen professionellen Pferdetrainer. Auch die Trennung vom Pferd kann im Einzelfall die richtige Entscheidung sein.

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