Magengeschwür beim Pferd

Magengeschwüre bei Pferden haben viele Gesichter

Naturnahe Haltung und Ernährung

Wenn einem Pferd etwas „sauer aufstößt“, ist das nicht immer sichtbar. Magenprobleme können sich sehr unterschiedlich äußern. Leider schlagen Fehler in der Pferdehaltung als Erstes auf den Magen. Er ist immer noch auf das Wildpferdleben zugeschnitten, das heißt: fast rund um die Uhr gemütlich Gräser zupfen und unterwegs sein. Um Ihr Pferd langfristig gesund zu erhalten, sorgen Sie bitte für eine möglichst naturnahe Haltung und Ernährung. Die Mühe lohnt sich, denn bald jedes zweite Freizeitpferd leidet unter Magengeschwüren. Bei wirklich artgerechter Haltung sind sie eine Seltenheit.

Magengeschwüre entstehen bei Pferden leider häufiger als man denkt. Der Pferdemagen ist noch ein Wildpferdmagen und nicht für Stallhaltung, Kraftfutter und Turniere konstruiert. In einigen wissenschaftlichen Studien wurde die Häufigkeit von Magengeschwüren beim Pferd untersucht. Der Trend geht dahin, dass etwa bereits 25 bis 50 Prozent aller Fohlen krank sind, sowie nahezu jedes zweite Freizeitpferd, etwa zwei Drittel der Sportpferde und nahezu jedes Rennpferd. Das finde ich wirklich alarmierend.

Was passiert im Pferdemagen?

Magengeschwüre gehören leider zu den häufigsten Magenerkrankungen beim Pferd. Mehr oder weniger tief greifende Verätzungen der Magenschleimhaut entstehen durch eine Überproduktion von Magensäure. Die Ursache für diesen Überschuss sind meist ungeeignetes Futter, Stress oder zu lange Fresspausen.Die Magensäure greift die Magenschleimhaut an und verletzt diese so stark, dass sich Entzündungen und Geschwüre bilden.

Magengeschwüre haben viele Ursachen

Pferde sind Dauer- und Langsamfresser. Je weiter sich der Lebensstil eines Pferdes von seiner ursprünglichen Lebensweise entfernt, desto größer ist die Anfälligkeit für Magenprobleme. Denn der Pferdemagen ist relativ klein und immer noch auf das Wildpferd ausgelegt. Die Hauptursachen für Magenprobleme sind Fütterungs- und Haltungsfehler, aber auch intensives Training und Stress.

Es kann an der Rasse liegen

Auch die Rasse ist ein Risikofaktor: Vollblüter leiden besonders häufig unter Magengeschwüren. Dies kann ursächlich auch mit der Tatsache zusammenhängen, dass Vollblüter überproportional häufig im Leistungssport eingesetzt werden mit allen damit zusammenhängenden belastenden Folgen für die Pferde und den Pferdemagen.

Entzündungshemmer wie zum Beispiel Omeprazol helfen zwar schnell im Akutfall, sind aber nicht für die Daueranwendung geeignet, da sie langfristig die Magenschleimhaut sogar schädigen können, ganz zu schweigen von den Folgen für die Darmflora. Aber Sie können sehr viel tun, um Magenproblemen vorzubeugen oder Ihrem Pferd beim Heilungsprozess zu helfen.

Falsches Futter begünstigt Magengeschwüre bei Pferden

In der Natur fressen Pferde sehr langsam und bis zu 18 Stunden am Tag raufaserreiche Nahrung, so dass der Magen fast nie leer ist. Der Pferdemagen ist auf diese Lebensweise abgestimmt. Wildpferde sind immer in Bewegung, der Magen ist klein, nimmt ständig kleine Futtermengen auf und benötigt dauerhaft kleine Mengen Magensäure. Genau dieses System funktioniert nicht mehr, wenn Pferde zu wenig Bewegung haben, große Mengen Kraftfutter auf einmal bekommen oder zuviel Stress haben.

Doch nicht nur die Fressdauer, sondern auch die Zusammensetzung des Futters spielt eine Rolle. Pferde fressen Getreide schneller, können es aber schlechter verdauen, weil der Magen nicht auf so viele leicht lösliche Kohlenhydrate ausgelegt ist. Darum hat Raufutter einen doppelten Vorteil: Das Pferd produziert mehr Speichel, weil es langsamer frisst, gleichzeitig ist der Magen länger gefüllt. Mit einem Kilogramm Heu ist ein Pferd etwa 40 Minuten beschäftigt und produziert dabei vier- bis fünfeinhalb Liter Speichel. Die gleiche Menge Krippenfutter futtert das Pferd in zehn Minuten, wobei nur ein Liter Speichel fließt. Kurzum: Sorgen Sie für freien Zugang zu Rauhfutter und Wasser, sparen Sie beim Leistungsfutter und ermöglichen Sie Ihrem Pferd viel Bewegung.

Stress schlägt auf den Pferdemagen

Grundsätzlich können Pferde mit akutem Stress gut umgehen, da sie als Fluchttiere Stress als Überlebensmechanismus in der Wildnis dringend brauchen. Dieser kurzfristige Stress geht aber vorüber und wird durch innere Abläufe des Nervensystems reguliert. Gefährlich wird es für den Magen bei anderen Stressarten:

  • Leistungsdruck erhöht das Risiko für Magenprobleme bei Pferden Da intensives Training und Wettkämpfe mit erhöhtem Stress verbunden sind, steigt bei Sport- und Rennpferden während der Trainingsphase das Erkrankungsrisiko. Bei Weidepferden sind Magengeschwüre eine Seltenheit, Traber und Galopper indes sind zu neunzig bis hundert Prozent betroffen.
  • Sozialer Stress kann zu Magengeschwüren bei Pferden führen Auch die Lebensumstände können Stress verursachen. Unsere Pferde haben ein sehr empfindliches Nervenkostüm. Sozialer Stress kann unterschiedlichste Ursachen haben: ein ungeliebter Boxnachbar, ungeliebte Betreuer, Rangordnungskämpfe, fehlende soziale Kontakte mit Artgenossen oder Langeweile. Jedes Pferd reagiert auf seine Weise. Es kann aggressives, aber auch apathisches Verhalten zeigen oder sich bestimmte „Macken“ zulegen. Vermeintliche Unarten wie Beißen, Schlagen oder Flehmen sind häufig Stresssignale. Wir sollten sie daher nicht als „schlechte Angewohnheiten“, sondern als Warnsignale verstehen. Weitere Stresssignale können das Schlagen mit dem Schweif, Zähneknirschen, Nasekräuseln, angelegte Ohren, nervöses Ohrenspiel, ein Blick, der das Weiße in den Augen zeigt, oder aber auch Teilnahmslosigkeit sein)
  • Stress durch Schmerzen Pferde haben nahezu keine Schmerzlaute. Wir können Schmerzen am sichersten an ihrer Körpersprache ablesen. Schlecht sitzende Sättel oder Trensen können ebenso Schmerzen auslösen wie chronische Schmerzerkrankungen.

Magengeschwüre sind an unterschiedlichen Symptomen zu erkennen

Das Hauptproblem bei der Diagnose eines Magengeschwürs ist die schillernde Symptomatik. Die sichtbaren Anzeichen sind sehr unterschiedlich und keineswegs einheitlich, das macht es uns in vielen Fällen so schwer, Magenprobleme zu erkennen. Es gibt jedoch beim erwachsenen Pferd einige klassische Symptome, die auf ein bestehendes Magengeschwür hindeuten können.

Mögliche Symptome für Magengeschwüre oder Gastritis bei Pferden

  • Akute oder wiederkehrende Koliken v.a. nach dem Fressen von Kraftfutter
  • Schlechtes oder selektives Fressen
  • Vermehrtes oder reduziertes Trinken
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Abmagerung
  • Leistungsminderung
  • Mundgeruch
  • Zähneknirschen
  • Aufstoßen
  • Flehmen
  • Leerkauen
  • Kotwasser
  • Verhaltensveränderungen
  • Koppen
  • Weben
  • Headshaking

Die häufigsten Anzeichen sind Fressunlust und ein schlechter Ernährungszustand. Die Verhaltensveränderungen können sich sehr unterschiedlich äußern: das Pferd sondert sich von seinen Artgenossen ab oder es begegnet ihnen aggressiv, es zeigt Unwillen beim Aufsitzen oder ist extrem umtriebig, oder aber es wird apathisch.

Gastroskopie – muss das sein?

Nur bei neugeborenen Fohlen kann man ein Magengeschwür im Kot nachweisen, bei älteren Fohlen und erwachsenen Pferden wird das Blut im Kot abgebaut. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ist sicherlich die zuverlässigste Methode, ein Magengeschwür sicher festzustellen, aber leider auch sehr belastend und risikoreich für das Pferd. Der Tierarzt schiebt die Endoskopkamera (einen flexiblen Schlauch mit einem optischen System) durch die Nase des Pferdes bis zum Magen vor und kann so die Magenschleimhäute inspizieren. Dabei kann es im schlimmsten Fall sogar zu Verletzungen kommen. Vor der Untersuchung muss das Pferd - je nach Futter - 6 bis 23 Stunden hungern und anschließend sediert werden. Wägen Sie daher den Nutzen einer solch belastenden Untersuchung gut ab. Ich rate eher dazu, erst einmal alle möglichen Maßnahmen zu versuchen, die schonender für das Pferd sind. Gehen Sie alle Risikofaktoren durch, die ich bereits aufgeführt habe und stellen Sie das Management Ihres Pferdes magenschonend um.

Dauertherapie mit Medikamenten ist keine Lösung

Für die Behandlung von Magengeschwüren beim Pferd sind ausschließlich Medikamente mit dem Wirkstoff Omeprazol zugelassen. Dieser Säureblocker gehört in der Humanmedizin zu den am häufigsten verschriebenen Arzneien, beispielsweise bei Sodbrennen. Er reduziert die Säureproduktion und unterstützt die Abheilung von Magengeschwüren. Als Nothilfe funktioniert Omeprazol bei Pferden gut. Doch nach Absetzen der Arznei besteht ein hohes Wiedererkrankungsrisiko.

Eine Daueranwendung ist jedoch sehr teuer und greift gravierend in die Funktionsweise des Pferdemagens ein. Denn die Magensäure ist sowohl zum Abtöten von Bakterien als auch für die Vorverdauung von Proteinen wichtig. „Wird die Therapie mit Magensäureblockern über einen längeren Zeitraum fortgesetzt, so können bakterielle Infektionen sowohl im Magen-Darmtrakt als auch in der Lunge auftreten“, warnt die Tierärztin Dr. Dorothee Meyer.

Bei rekonvaleszenten Patienten ist besonders auf das Futter zu achten. Zusätzlich zu den allgemeinen Ernährungstipps gilt hier:

Geben Sie stärkearmes Futter

  • Füttern Sie ausreichend aufquellende Kohlenhydrate (z.B. Leinsaat)
  • Vermeiden Sie stark melassierte Futtermittel
  • Vermeiden Sie säurehaltiges Obst (Äpfel!)

Ursachen bekämpfen mit konsequenter Vorbeugung

Ein übersäuerter Magen ist letztlich nur der Auslöser von Magengeschwüren. Um die Ursachen von Übersäuerung dauerhaft zu bekämpfen, kann man auf drei Ebenen arbeiten: in Ernährung, Haltung und Training.

Richtiges Futter für einen gesunden Pferdemagen

Ziel der Ernährung sollte sein, die natürlichen Schutzmechanismen zu unterstützen. Säure abpuffernde Substanzen schirmen die Schleimhaut vor der Magensäure ab. Dazu gehören beispielsweise Stoffe, die mit Wasser aufquellen und sich als schützender Film über die Schleimhaut legen.

Ideale Voraussetzungen für eine problemlose Verdauung schafft natürlich der freie Zugang zur Weide. Generell sollten Pferde möglichst viel Heu und Gras, aber möglichst wenig Kraftfutter fressen.

Meine Futtertipps:

  • Stellen Sie Ihrem Pferd viel Raufutter möglichst rund um die Uhr zur Verfügung
  • Gönnen Sie Ihrem Pferd einen Futterzusatz mit magenschützenden Substanzen (z. B. Kristallkraft Coolly)
  • Füttern Sie möglichst wenig Kraftfutter
  • Füttern Sie Raufutter vor jeder Krippenfuttergabe
  • Verteilen Sie das Futter auf möglichst viele Mahlzeiten
  • Geben Sie abends die größte Heuportion
  • Idealerweise ermöglichen Sie Ihrem Pferd freien Zugang zum Futter
  • Wenn Ihr Pferd schlingt, packen Sie das Heu in ein engmaschiges Heunetz
  • Verteilen Sie im Winter Raufutter auf dem Paddock
  • Vermeiden Sie Fresspausen von mehr als vier Stunden

Naturnahe Haltung als Schutz vor Magenproblemen bei Pferden

Wenn Ihr Pferd nicht im eigenen Stall oder auf der eigenen Koppel steht, können Sie die Haltung nur eingeschränkt steuern, besonders wenn jahrelange Stallroutine das Regiment führt. Dennoch: Die Haltung prägt das Verhalten des Pferdes 24 Stunden lang. Ihr Pferd braucht möglichst viel freie Bewegung (nicht unter dem Reiter), reichlich Auslauf und Kontakt mit Artgenossen, am besten in einer stabilen Gruppe, denn Einsamkeit ist grausam für Pferde. Doch auch die Auswahl der Pferde muss harmonieren. Stimmt die Chemie in der Gruppe nicht, kann dies für einzelne Mitglieder sehr stressig sein. Beobachten Sie daher, ob die Gruppe harmonisch ist und ändern Sie gegebenenfalls die Zusammenstellung wieder. Die Anzeichen von Stress fallen individuell ebenso unterschiedlich aus wie die Ursachen (s. Stress). Es kann hier aber nicht deutlich genug gesagt werden, dass Stressreduktion hilft, Magengeschwüre zu vermeiden.

Meine Haltungstipps:

  • Gönnen Sie Ihrem Pferd viel freie Bewegung mit Artgenossen
  • Gönnen Sie Ihrem Pferd viel Weidegang
  • Vermeiden Sie längere Transporte
  • Achten Sie auf Verhaltensauffälligkeiten und forschen Sie nach den Ursachen
  • Achten Sie auf Rangordnungsprobleme
  • Lernen Sie die Bedürfnisse Ihres Pferdes kennen
  • Wählen Sie den Stall für die Bedürfnisse Ihres Pferdes passend aus

Leistungsstress als Ursache von Magengeschwüren von Pferden

Im Pferdesport lässt sich Leistungsstress nicht vermeiden. Training und Turniere sind automatisch mit körperlichem und psychischem Stress verbunden. Bei anhaltender schneller Bewegung lässt sich das Hochspritzen von Magensäure nicht verhindern. Darum steigt selbst bei optimaler Haltung und Fütterung mit der Intensität des Trainings die Häufigkeit von Magengeschwüren.

Um die Schäden so gering wie möglich zu halten, sind regelmäßige Schrittpausen nötig. Denn kontinuierliches Training in forcierten Gangarten senkt die Blutzufuhr zum Verdauungstrakt, der erhöhte Druck auf den Bauch drängt den Mageninhalt in den oberen, säureempfindlichen Magenbereich. Den psychischen Leistungsstress können Sie dämpfen, indem man Sie Ihr Pferd positiv motivieren und das Training Schritt für Schritt aufbauen. Versteht das Pferd eine neue Aufgabe nicht, gehen Sie einen Schritt zurück, denn unter Stress kann auch das Pferd nicht lernen. Im Umgang ist es wichtig, selbst stressresistent zu sein. Ihr Stress als Trainer überträgt sich auf Ihr Pferd.

Meine Trainingstipps:

  • Kontrollieren Sie den Sitz von Sattel und Trensengebiss
  • Überfordern Sie Ihr Pferd nicht
  • Legen Sie zwischen den temporeichen Gangarten kurze Schrittintervalle ein
  • Strukturieren Sie das Training durch mehr oder weniger anstrengende Aufgaben
  • Wählen Sie die individuell passende Belohnung für Ihr Pferd
  • Achten Sie auf ausreichende säurepuffernde Ernährung
  • Bleiben Sie selbst entspannt

Fazit:

Das A und O zum Thema Magengeschwür lautet "Prävention", denn Magengeschwüre lassen sich vermeiden. Je naturnaher Sie Ihre Pferde halten und ernähren, desto länger bleiben sie gesund. Achten Sie beim Futter auf viel Heu, Stroh,Gras und Wasser,möglichst frei verfügbar, und dafür wenig stärkehaltiges Futter als guter Schutz vor Magengeschwüren. Kein Pferd würde freiwillig länger als vier Stunden fasten. Als Ergänzung und Schutzpuffer eignet sich ideal Kristallkraft Coolly, um eineÜbersäuerung zu verhindern und auch Magenkoliken vorzubeugen. Doch auch die beste Ernährung kann eine Magenproblematiknicht verhindern, wenn das Umfeld nicht stimmt. Ermöglichen Sie daher Ihren Pferden viel Auslauf mit Artgenossen. Stress schlägt Pferden schnell auf den Magen. Zu den häufigsten Stressfaktoren zählen Rangkämpfe ebenso wie überforderndes Training, unpassende Stallnachbarn oder 23 Stunden Stehen und Warten auf den Auslauf. All diese Stressfaktoren können und sollten Sie abstellen, indem Sie die Haltungsbedingungen auf die Bedürfnisse Ihres Pferdes abstimmen.

PS: Wenn irgendetwas unklar ist oder Sie sonst etwas auf dem Herzen haben, rufen Sie mich immer gerne an unter 05863 98 360 90

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