Micky Müller Pferdedentalpraktiker

Einem Gaul...sollte man ins Maul schauen

Ertasten, Erfühlen und Riechen

Am letzten Wochenende hatten wir wieder einmal unseren Pferdedentisten zur jährlichen Zahnvorsorge bei unseren Pferden am Hof. Das ist jedes Mal auch ein bisschen Abenteuer, weil man ja nicht weiß, was genau dieses Mal zu tun ist, und jede Zahnbehandlung auch anstrengend ist für die Pferde. Ich habe auch dieses Mal wieder einiges dazugelernt.

Ertasten, Erfühlen und Riechen

Zahnvorsorge bei Pferden

Unser Pferdedentalpraktiker Andreas Müller arbeitet viel mit Ertasten, Erfühlen und Riechen. Er sagt, dass er so am genauesten erfasst, was im Pferdemaul los ist - wesentlich präziser und sensitiver als mit einer Stirnlampe und den Augen. Ich durfte auch in das Maul meines Pferdes fassen - und zwar vor und nach der Behandlung - und auch den Geruchstest machen. Dabei kam heraus, dass schief liegende Backenzähne bei meinem Pferd dazu führen, dass Speisereste sich unter diesen Zähnen ablagern und zu leichter Parodontose führen. Ich kann nur sagen, das konnte ich deutlich riechen. Nun spülen wir prophylaktisch regelmäßig mit Salzwasser, um die leichte Entzündung auszuheilen.

Ich denke, Zähne sind für alle Pferdehalter ein wichtiges Thema. Daher habe ich gleich an Ort und Stelle ein Interview mit Herrn Müller geführt. Thema Zahnpflege bei Pferden, braucht es das überhaupt? Was ist zu beachten?

Zahnpflege ist kein Thema bei wildlebenden Pferden, aber die Lebensweise unserer domestizierten Pferde bringt Zivilisationskrankheiten mit sich. Die Zähne werden durch die veränderte Haltungs- und Fütterungsweise nicht mehr wie in der Natur gleichmäßig belastet und abgenutzt. Dadurch kann zu Zahnproblemen kommen.

Pferdedentalpraktiker Andreas Müller aus Hamminkeln hat sich vor 12 Jahren auf die fachmännische Behandlung und Pflege von Pferdezähnen spezialisiert.Er ist Experte in Sachen Pferdezähne und beantwortet heute unsere Fragen rund um das Thema Pferdezähne.

Kristallkraft:

Was ist der Unterschied zwischen einem Pferdedentalpraktiker und einem Tierarzt?

Andreas Müller:

Ein Pferdedentalpraktiker ist ausschließlich auf die Behandlung von Pferdezähnen spezialisiert. Dazu benötigt er eine Ausbildung, die meist im Ausland absolviert werden muss, da es in Deutschland bislang wenige Angebote gibt. Pferdedentalpraktiker sind die Spezialisten für Zahnbehandlung am Pferd. Es gibt inzwischen auch Tierärzte, die diese Zusatzqualifikation besitzen. Der Hauptunterschied zwischen Tierarzt und Pferdedentalpraktiker ist, dass der Tierarzt auch eine Sedierung oder gegebenenfalls nötige Operation durchführen darf, während dies dem Pferdedentisten nicht gestattet ist. Hinsichtlich der Kosten sollte kein Unterschied bestehen, da der Dentist in der Regel mit einem Tierarzt zusammenarbeitet.

Kristallkraft:

Ab welchem Alter braucht mein Pferd eine Zahnkontrolle und in welchen Abständen sollte diese erfolgen?

Andreas Müller:

Stellen Sie Ihr Pferd schon im Fohlenalter regelmäßig Ihrem Dentisten vor. Eine Kontrolle der Milchzähne und des Zahnwechsels kann spätere Zahnprobleme vermeiden helfen. Pferde können durchaus schon im ersten Lebensjahr scharfe Kanten entwickeln, die entfernt werden sollten. Grundsätzlich empfiehlt sich die Zahnkontrolle/Behandlung im Alter bis 5 Jährig halbjährlich, da in diesem Zeitraum der Zahnwechsel stattfindet. Denken Sie auch beim Einreiten an die Wichtigkeit der Zähne. Ein Pferd muss sich erst an die Trense gewöhnen. Lassen Sie vor dem regelmäßigen Einlegen eines Gebisses bzw. dem Einreiten eine gründliche Zahnkontrolle/Zahnbehandlung machen, da sich hier viele Probleme im Vorfeld beseitigen lassen. Die Akzeptanz des Gebisses und der Reiterhand lassen sich so erheblich verbessern.

Kristallkraft:

Wie bereite ich mein junges Pferd auf die erste Zahnbehandlung vor?

Andreas Müller:

Eine wirkliche Vorbereitung ist nicht nötig, aber es ist natürlich von Vorteil, wenn sich das Pferd im Bereich des Kopfes ohne Furcht berühren lässt.

Kristallkraft:

Thema Zahnwechsel, muss ich da etwas beachten?

Andreas Müller:

Im Alter von zweieinhalb bis fünf Jahren wechseln Pferde insgesamt 24 Zähne. Das heißt die Milchzähne fallen aus und werden durch die bleibenden ersetzt. Stuten haben nach Abschluss des Zahnwechsels 36 Zähne, Hengste und Wallache hingegen 40 Zähne. Sie besitzen zusätzlich noch 4 sogenannte Hakenzähne, die den Eckzähnen entsprechen. Selten bilden auch Stuten Hakenzähne, diese Stuten werden auch Hakenstuten genannt. Manche Pferde haben während des Zahnwechsels Probleme beim Fressen. Sogar das Allgemeinbefinden kann beeinträchtigt sein. Da der Zahnwechsel/Zahndurchbruch eine große Energieleistung für das Pferd bedeutet, ist Mattigkeit bis hin zu erhöhter Temperatur keine Seltenheit. Bei länger anhaltenden Fressproblemen sollte unbedingt der Pferdedentalpraktiker zur Kontrolle hinzugezogen werden. Während des Zahnwechsels ist eine Zahnprophylaxe in kürzeren Abständen sinnvoll. Ich rate zu einer Schau etwa alle sechs Monate.

Kristallkraft:

Wie läuft eine Zahnbehandlung ab?

Andreas Müller:

Ich starte immer mit einer Voruntersuchung des Pferdes in Anwesenheit des Pferdebesitzers. Dabei untersuche ich genau das Innere des Pferdemauls und ertaste den Zustand der Zähne. Dann erkläre ich dem Pferdehalter den Befund und die erforderlichen Maßnahmen. Die Anwesenheit des Pferdebesitzers befürworte ich, da sich dies beruhigend auf meine Pferdepatienten auswirkt. Zu meiner Ausrüstung gehört ein solides Maulgatter (andere Maulöffner finde ich inakzeptabel) und diverse elektrische Schleifmaschinen und auch manuelle Zahnraspel. Wichtig ist auch eine gute Lichtquelle. Nun bekommt das Pferd eine leichte Sedierung und wird in eine stabile Stellung gebracht, besonders der Kopf muss so stabilisiert werden, dass ich in Ruhe arbeiten kann. Wenn das Pferd den Kopf nicht mehr selbst halten kann, merke ich, dass die Sedierung wirkt und ich lege los. Ziel der Zahnbehandlung ist es, die optimale Harmonie zwischen Zähnen und Kiefergelenken herzustellen und damit die Grundlage für schmerzfreies Fressen zu schaffen. Eine fundierte Zahnbehandlung dauert zwischen einer und eineinhalb Stunden.

Kristallkraft:

Warum braucht mein Pferd Beruhigungsmittel oder eine Betäubung?

Andreas Müller:

Ich befürworte aus Sicherheitsgründen eine Sedierung bei der Zahnbehandlung. Die Sedierung dient der Entspannung und Beruhigung des Pferdes und ist kein Schmerzmittel. Während der Behandlung kann es aber durchaus zu Schmerzen kommen und dann ist es besser, wenn das Pferd sediert ist und dadurch still steht und entspannt bleibt. Ein ruhig stehender, stressfreier Patient ermöglicht es mir, eine qualitativ hochwertige Zahnbehandlung durchzuführen, auch dann noch, wenn die Behandlung einmal etwas schwieriger bzw. zeitaufwendiger ist. Letztlich vermindert die Sedierung die Verletzungsgefahr für das Pferd, den Besitzer/Helfer und mich als Behandler erheblich.

Kristallkraft:

Woran erkenne ich, dass mein Pferd Zahnprobleme hat?

Andreas Müller:

Für meine Kunden sind Rittigkeitsprobleme oft die ersten Anzeichen für Zahnprobleme. Außerdem sind schlechtes Fressen sowie Gewichtsverlust mögliche Anzeichen sowie fauliger Geruch aus Maul und Nüstern. Verdauungsprobleme und mögliche Verdauungskoliken können ebenfalls ein Hinweis auf Schwierigkeiten mit den Zähnen sein. Aber Vorsicht: Pferde leiden stumm! Nicht immer fressen Pferde mit Zahnproblemen schlecht oder nehmen ab. Der instinktive Erhaltungstrieb lässt sie immer weiter fressen! So ist die regelmäßige Zahnkontrolle meist die einzige Möglichkeit, Zahnprobleme zu erkennen.

Kristallkraft:

Was für Zahnanomalien gibt es bei Pferden?

Andreas Müller:

Neben dem gut zu erkennenden Über- oder Unterbiss sind in erster Linie über- oder unterzählige und falsch angelegte Zähne zu erwähnen. Bei jungen Pferden gibt es die sogenannten Wolfszähne, die eigentlich Relikte der ersten Backenzähne sind. Sie sind meistens sehr klein und sollten frühzeitig entfernt werden, da sich genau dort befinden, wo das Gebissstück der Trense liegt. Das ständige Schlagen der Trense gegen die Wolfszähne ist schmerzhaft für Pferde. Auch müssen zu lange Schneidezähne gekürzt werden, da sie das Pferd beim Fressen behindern.

Kristallkraft:

Bekommen Pferde Karies?

Andreas Müller:

Ja, auch Pferde können Karies bekommen. Wie bei kleinen Kindern ist da besonders die Zeit des Zahnwechsels wichtig. Es sollten keine süßen Futtermittel verabreicht werden, da diese unter die Zahnkappen gelangen können und so die Bildung von Karies fördern.

Kristallkraft:

Gibt es Zahnfüllungen für Pferde?

Andreas Müller:

Es gibt durchaus Zahnfüllungen beim Pferd, allerdings sind diese, je nach Lage des Zahnes, sehr schwierig. Das Problem liegt in der Anatomie des Pferdezahns, der im Gegensatz zu Menschen ein weit verzweigtes Wurzelgeflecht aufweist, welches sehr schwer zu reinigen ist, sowie an den engen Platzverhältnissen im Pferdemaul. Daher ist die Prophylaxe auf jeden Fall vorzuziehen. Ernähren Sie Ihr Pferd möglichst zuckerarm, geben Sie ihm keine Zuckerstückchen und Süßigkeiten. Belohnen Sie Ihr Pferd besser mit Lob und Aufmerksamkeit. Ab und zu ein Pferdeleckerli ist aber in Ordnung.

Kristallkraft:

Was kann ich tun, damit die Zähne meines Pferdes gesund bleiben?

Andreas Müller:

Erfahrungsgemäß ist beste Prophylaxe der täglich lange Weidegang, sowie langes grobes Raufutter. Letztendlich gewährleisten nur die regelmäßige Kontrolle und Behandlung die Zahngesundheit der Pferde.

Kristallkraft:

Herr Müller, ich danke Ihnen herzlich für dieses ausführliche und informative Gespräch.


Praxistest Zebradecke als Insektenschutz im Sommer

Ich hatte ja angekündigt, meine Erfahrungen mit der Zebrareitdecke mit Ihnen zu teilen. Hier das Protokoll meines Versuchs:

Zebra Reitdecke bei Pferden

Meine Stute Jakira hasst Insekten auf Ihrem Körper. Während der Bremsenzeit steht sie die meiste Zeit in Ihrem schattigen kühlen Unterstand, wo Sie weitestgehend sicher ist vor den lästigen Plagegeistern. Noch stärker reagiert sie auf Hirschlausfliegen. Da ist Reiten garnicht mehr möglich, da sie sich dann nur noch hinwerfen möchte vor Panik. Wenn viele Bremsen unterwegs sind, kann ich das Ausreiten auch vergessen. Sie schlägt dann heftig mit dem Kopf, ist total unruhig und will eingentlich nur noch eines: w e g !

Ich habe schon diverse Abwehrsprays ausprobiert, auch eigene Rezepte, aber das Reiten macht so einfach keinen Spaß. Dieses Jahr werden ja überall diese Zebradecken angeboten und auch angepriesen, so dass ich mir ein preiswertes Modell (ca. 30 Euro) bestellt habe, um den Effekt bei meiner sensiblen Jakira zu testen.

Am ersten Tag probierte ich die Decke ohne jegliches Fliegenmittel aus. Einfach satteln, dann die Zebradecke über den Sattel legen und los. Bereits nach ein paar Minuten stellte ich fest, dass die Bremsen zwar zunächst die Zebradecke anfliegen, jedoch sofort abdrehen und dann gezielt Kopf oder Bauch und Beine ansteuern. Das fand meine Stute nicht lustig. Ich wendete also wieder ab in Richtung Heimat.

Beim zweiten Versuch bekam Jakira zusätzlich zur Zebradecke noch eine Fliegenhaube auf den Kopf, die Beine und den Bauch sprühte ich mit einem Bremsenmittel ein (das selbstgemischte, das Rezept kennen Sie ja aus einem früheren Newsletter). Wir ritten also erneut in Richtung Wald. Dieses Mal blieb Jakira wirklich gelassen, denn die Kombination aus Zebradecke, Fliegenmaske und Bremsenschutzmittel brachte wirklich den gewünschten Effekt. Die Bremsen ließen meine Stute in Frieden. Aber leider nicht mich! Sie steuerten ersatzweise mich an, und das scharenweise. Auch mein langärmeliges T-Shirt konnte mich da nicht schützen, so dass ich abermals den Rückzug zum heimischen Stall antrat.

Ich startete dieses Mal sofort im Anschluss den dritten Versuch und sprühte mich selbst ebenfalls mit dem Bremsenspray ein, und zwar auf T-Shirt und Reithose. Ich war gespannt, ob dies nun klappen würde. Wieder machten wir uns auf in Richtung Wald. Dieses Mal Jakira in die Zebradecke eingehüllt, mit Fliegenmaske ausgerüstet und Fliegenspray besprüht. Ich mit heller Kleidung, diese mit Bremsenspray versehen und Insektenlotion in Gesicht und an den restlichen freien Hautstellen.

Was soll ich sagen? Das brachte dann endlich den gewünschten Erfolg.

Fazit:

Die Zebradecke ist eine super Sache und klappt sehr gut. Das Zebramuster scheint die Bremsen tatsächlich zu verwirren, so dass sie Decken mit diesem Muster nicht anfliegen. Bei sehr insektenempfindlichen Pferden empfehle ich zusätzlich eine Fliegenmaske und Hautschutz an Bauch und Beinen. Damit der Reiter dann nicht die frustrierten Blutsauger abbekommt, rate ich, sich selbst auch mit Insektenabwehrmitteln zu schützen und helle Kleidung zu tragen. Eine Alternative wäre dann noch der Zebrareitanzug :-)

Na dann - viel Spaß beim Reiten!

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